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Die neuen Berliner Markthallen

Von Th. Coßmann

Ja, schön ist Berlin jetzt mit seinen Palästen, seinen monumentalen Bauten, seinen Museen und seinen Läden, prächtig und schön. Aber hübscher war es doch früher, als es noch die harmlose Stadt war, von der Saphir sagte: "Wien ist eine große Stadt, Berlin eine Stadt, die groß ist." Damals, als wir Buben noch ungestört von Pferdebahnen und Omnibussen auf offener Straße unsere Jagd- und Kriegsspiele abhielten und sogar Drachen steigen lassen konnten! Aber das ist lange her!

Damals durchzogen die Straßen allerlei Verkäufer, die ihre Waren mit schriller Stimme ausriefen oder anzeigten; vor allem der Plundermaß oder Haderlump, der mit seiner Karre umherzog und wie der Rattenfänger von Hameln durch den Ton seiner Pfeife Knäblein und Mägdlein aus den Häusern lockte, die ihre schnell von der Mama erbettelten Lappen bei ihm gegen Bilderbogen, Schreibhefte, blanke Ringe mit Glassteinen oder Nadel und Zwirn umtauschten; da hörte man die Rufe: "Spandauer Zimtprätzeln!" (ich schreibe wie sie sprachen); "Bückelinge, Bückelinge!" Radies, Radies," "Hale Stie," was Havelstinte heißen sollte und mit besonders gellender Schlußsilbe gerufen wurde, saure Jurken!" u. dgl. m. Auch sie sind jetzt verschwunden, nur der fliegende Wursthändler durchzieht noch mit den Ruf: "Warm sind sie noch!" nächtlich die Straße und verkauft seine Ware an solche Passanten, die wohl noch Hunger, aber kein Unterscheidungsvermögen mehr haben.

Die andern alle sind vom rollenden Rade der Zeit zermalmt, das heißt, von der hohen Polizei von den Straßen fort auf die offenen Märkte verbannt worden. Und nun haben auch diese aufgehört und an ihre Stelle ist die Markthalle getreten. — Oder eigentlich: die Markthallen, denn wir haben deren schon vier und werden bald noch mehr haben, da ihrer sechs entstehen sollen, die alle in zwei bis drei Jahren fertig werden. Und obgleich die volle Wirkung der Markthallen sich erst zeigen kann, wenn alle vollendet und im Betrieb sein werden, so läßt sich doch schon heute ihr großer Wert und ihr günstiger Einfluß auf das ganze wirtschaftliche Leben Berlins erkennen, namentlich auf das hauswirtschaftliche.

Seit Jahren sind unsere städtischen Behörden bemüht, die Straßen von allen Verkehrshemmnissen möglichst zu entlasten und ebenso die zopfigen Überreste der alten kleinstädtischen Zeit zu beseitigen. So sind die Jahrmärkte auf den auf den Aussterbeetat gesetzt und einstweilen aus dem Innern der Stadt an die äußerste Peripherie verbannt; so wird der Weihnachtsmarkt immer mehr beschränkt und so sollen endlich die Wochenmärkte von den öffentlichen Plätzen verschwinden und dafür Spiel- und Schmuckplätzen, Garten- und Baumanlagen Platz machen, die ebenso angenehm als der Gesundheit zuträglich sind. Ein Ersatz für diese Märkte mußte aber geschaffen werden und das geschah durch die Markthallen.

Es wurde vor längerer zeit eine Deputation nach Paris und London geschickt, um die Einrichtung und das Wesen der dortigen Hallen zu studieren und, was sie praktisch gefunden, hier einzuführen. Reich Erfahrungen wurden da gesammelt und hier verwendet; und in einem wichtigen Punkte hat Berlin sogar den Vorzug: hier allein haben die Markthallen, wenigstens die größte, die Zentralhalle, von der wir hier eingehender und vorzugsweise berichten werden, direkt Anschluß an einen Bahnkörper, die Stadtbahn, so daß ihr die Waren von allen Punkten des In- und Auslandes aus ohne Zeitverlust und ohne das lästige und kostspielige Umpacken zugeführt werden können. Die andern drei Hallen sind kleiner, da sie nur den Bedarf ihres Stadtteils zu befriedigen haben; vor dem Eingang zur Halle selbst sind aber überall stattliche Gebäude aufgeführt, deren Portale die Ein- und Ausfuhr gestatten und die zu Läden, Wohnungen, Büreaus eingerichtet und vermietet sind. In dem Hause der Lindenstraßen Markthalle ist die Handwerkerschule untergebracht, und eine Sandsteingruppe auf den Giebel, sowie die Emblemschilder unter den Fenstern stellen allegorisch die Geweerktätigkeit dar und geben die Insignien der einzelnen Gewerke.

Jede dieser drei Hallen hat auch ihren besonderen Charakter. Die der Friedrich-Lindenstraße gewährt den Anblick einer vollkommenen Blumenausstellung; die schönsten Zierpflanzen, kostbare Bouketts, Kränze mit Schleifen aller Art, die hier im geschützten Raume sicher angelegt werden können, gewähren einen prächtigen Anblick; hier hat sich auch schon eine Kunstgärtnerbörse etabliert. Die Dorotheenstraßenhalle ist dagegen mehr den Früchten geweiht, dem Obst, welches die "Werderschen," d.h. die Obstzüchter aus dem bei Potsdam gelegenen Werder täglich in drei oder vier vollgepackten, von einem Dampfer geschleppten Schiffen hereinbringen. Sie legen auf dem Wasser am Reichstagsufer hinter der Halle an und bringen ihr Obst sofort an die Verkaufsstellen. Alle Hallen aber haben dieselbe treffliche Einrichtung: die Stände, jeder vom andern getrennt, sind sauber und geräumig; die der Engrosschlächter sind mit Haken zum aufhängen des Viehes versehen, die der Detaillisten haben Marmortische, Kasse, Wiegeschalen und auch Haken.

Sie sind ferner fest umgittert und verschließbar. Die Fischkasten mit zu- und abfließendem Wasser bestehen in Marmorbassins, in denen die Fische lustig umherschwimmen und sich offenbar viel wohler fühlen und gesunder erhalten als in den bisherigen Fischkübeln auf dem markt. Alle Bassins haben eine Drahtdecke und sind auch verschließbar. Auch alles andere, was sonst auf den Wochenmärkten feil gehalten wurde, ist hier vertreten: Butter, Käse, Vorkost, Gemüse, Heringe, Flundern usw. Und alles ist jetzt wohlgeordnet, sauber und viel appetitlicher anzusehen. Zwischen den Reihen und Ständen, die alle nach der Ware geordnet sind, so daß die Fleischer, die Fischer nebeneinander ihren Stand haben und die Käufer nicht mehr von einer Stelle des Marktes zur andern umhersuchen müssen, ziehen sich breite, sauber gehaltene gepflasterte Wege für die Käufer hin, und eine gute Ventilation sorgt für reine, gesunde Luft. Auch hat jede dieser Hallen ihr Restaurant, daß für mäßige Preise gute Speisen und Getränke liefert. Daß diese Lokale, die meist mit einem Garten versehen sind, gute Geschäfte machen, wird dadurch bewiesen, daß der Restaurateur in der Zentralhalle 12 000 Mark Pacht zahlt, und doch bald ein reicher Mann sein wird.

 

Das laufende Publikum, namentlich die Hausfrauen, haben auch schon den hohen Wert der neuen Einrichtung würdigen gelernt. Es ist ja auch viel angenehmer, nicht nur zwei Marktvormittage zum Einkauf zur Verfügung zu haben, sondern die ganze Woche und zwar den ganzen Tag, da die Hallen bis acht Uhr abends und auch an Sonn- und Festtagen bis neun Uhr morgens geöffnet sind. Letzteres kommt besonders den Arbeitsfrauen zu gute. Die Händler, die sich anfangs dieser, wie jeder anderen Neuerung abgeneigt zeigten, die am letzten offenen Markttage ihre Buden zum Teil mit Trauerkränzen bekränzten, und in teils humoristischen, teils wehmütigen Versen Abschied von ihrem alten Standort nahmen, sind jetzt auch schon mit der neuen Einrichtung versöhnt. Sie sehen ein, welch hohen Gewinn es ihnen bringt, daß sie ihre waren nicht mehr dem Verderben durch Sonnenbrand, Schnee oder Regen auszusetzen brauchen, daß sie nicht fortwährend aus- und einpacken und von einem Markt zum andern fahren müssen; sie sehen ferner ein, wie viel besser es sich verkaufen läßt, wo alles sauber aussieht.

Noch eine andere für das Publikum höchst angenehme Wirkung hat die Übersiedlung in die Markthallen gehabt: die Marktleute selbst, namentlich die Marktweiber, sich verändert. Die verwitterte Gestalt mit dem entsetzlichen wachsleinenen Wetterdach auf den Kopfe, den Mund jederzeit zu einem Ausfalle, zu einer Grobheit bereit, findet man in den Markthallen nicht mehr; an ihrer Stelle sind saubere Gestalten mit weißen Schürzen und kleineren, kleidsamen Hüten getreten. Manch hübsches Gesicht, manche anmutige Gestalt, die man früher nie gesehen hat, zeigen sich jetzt, und auch das Wesen ist verändert: in dem vornehmen, geschlossenen Raum fühlen sie selbst sich anders und verlernen ihre früheren widerwärtigen Manieren. Ja, es zeigten sich schon "Elegants" der Halle, wie hier unser junger Fleischer mit seinem Schnurrbärtchen, seinem Schlips, seiner Busennadel und seinem Oberhemd — man sieht, er fühlt sich und will dem Orte Ehre machen, vielleicht auch einer Kundin besonders gefallen; wer weiß!

 

Das haben alle Markthallen gemeinsam. Wollen wir jetzt einmal die Zentralmarkthalle und das Treiben in ihr bei Tag und bei Nacht näher ins Auge fassen. Ich müßte richtiger sagen, ihr Treiben bei nacht und bei Tage, denn in ersterer verproviantiert sie sich mit dem, was sie an letzterem verbraucht. Die Halle selbst, die vom Kgl. Reg.- Baumeister Hesse erbaut ist, liegt an vier Straßen: der Neuen Friedrichs-, der Kaiser Wilhelm-, der Sedanstraße und der Stadtbahn. Die Hauptfront geht in einer Breiten von 100½ Meter nach der Neuen Friedrichsstraße und bildet einen prachtvollen monumentalen Bau und roten Backsteinen, mit drei großen Portalen und zwei Ecktürmen, auf deren Galerien die Repräsentanten des Marktwesens: ein Fleischer, ein Fischer, ein Geflügel- und Wildhändler, eine Gärtnerin in mächtigen Sandsteinfiguren angebracht sind. Treten wir ein, so überraschen uns die Sauberkeit und die gesunde, frische Luft, zumal wenn wir vielleicht eben an einem Viktualienkeller vorbeigegangen sind, der gerade geöffnet wurde und aus dem die Düfte von Käse, Heringen, Kartoffeln, Gemüse vereint in scheußlichem Gemisch hervordrangen.

Innen sehen wir zuerst, durch breite Wege getrennt, fünf Reihen Schlächterstände, eine Reihe Wildhändler, zwei Reihen Mehl- und Vorkosthändler, vier Reihen für Butter und Käse, sechs sogenannte Inseln, das heißt nicht in reihen geordnete Stände für Gemüse, zwei Reihen für Mehl und Vorkost, wozu auch alle Backwaren (Brot und Kuchen) gehören, sechs Fischreihen und in den Nischen der Stadtbahnbogen, die noch in der Halle liegen, finden wir die Blumenverkäufer. Vertreten aber sind in diesen Ständen: 100 Engrosschlächter, 108 Detailschlächter, 28 Wildhändler, 28 Mehl- und Vorkosthändler, 43 Flußfisch- und 11 Seefischhändler, 89 Obst- und Gemüsehändler, die auch in der Zahl von 63 die Inselstände besetzt haben, 52 Butter- und Käsegeschäfte. Sechzehn Nischen sind mit Diversen besetzt und 32 Stände hat der Verein Plötz inne, das ist eine von Herrn Plötz geleitete Vereinigung einer Zahl von Engros- Obst- und dergleichen Händlern, welche gemeinsam Geschäfte machen und Kosten und Gewinn nach Verhältnis teilen.

Und selbst diese große Anzahl von Ständen genügt noch nicht dem Bedürfnis, so daß die Verwaltung gestatten mußte, daß der Inhaber eines Standes sich noch Aftermieter halten darf. Die Mieter selbst haben zu zahlen, pro Tag und Quadratmeter Raum: die Fischer 60 Pfennig, wofür sie zugleich das Wasser frei haben — die Direktion selbst hat täglich 125 Mark für Wasserverbrauch zu zahlen — die Fleischer 50 Pfennig, Obst- und Delikatessenhändler 30 Pfennig, Kartoffeln 20 Pfennig, grobe Holzwaren 10 Pfennig. Daßdiese Preise nicht zu hoch gegriffen sind, sieht man aus der Nachfrage nach Plätzen.

Die Zentralhalle beschränkt ihren Marktverkehr nicht auf die Lebensmittel; in der Halle befinden sich auch vier breite, große Galerien, welche teils ringsumher, teils quer durchgehen; auf denselben befinden sich dich Büreaus der Verwaltung, Kontore und Geschäftsräume der Engrossisten und Vermittler (über die wir später zu berichten haben) und eine Menge Verkaufsstellen für Wein, Tabak, Porzellangeschirr, Klempnerwaren, Bijouterie-, Leder- und Galanterie-, sowie feine Korbwaren. So angenehm dies auch für das Publikum ist, so will doch die Polizei, die sich an die Marktordnung hält, dies nicht dulden. Die Verhandlungen dauern noch fort, man fürchtet aber, die Polizei werde nach den Bestimmung des Gesetzes obsiegen. Sie kommt übrigens sonst dem ganzen Unternehmen, dem besonders Herr von Mandai sein Interesse zugewendet hatte, freundlich entgegen.

Nun zum Marktverkehr selbst. Die etwa achthundert Stände der Halle müssen stets mit allem Nötigen versehen und reichlich verproviantiert sein. Was an einem Tage nicht verkauft wird, können die Händler ruhig in ihren Auslagestellen lassen oder in die Keller bringen, in welche Fahrstühle hinabgehen. Eben so weit wie oben die Halle, zieht sich nämlich unten ein gewaltiger gewölbter Keller mit Beleuchtung und Wasserleitung entlang, der ringsum ausgestattet ist mit verschließbaren Schränken mit luftiger Gitterwand, die reichlich benutzt werden. Die Verproviantierung geschieht in der Nacht, und zwar außer durch Eisenbahnwaggons noch durch viele Privatfuhrwerke, die in der Zahl von 4-600 täglich oder vielmehr nächtlich hier einkehren. Wenn die Glocke den Markt ausgeläutet hat, abends um acht Uhr, fahren die ersten Wagen ein; diese erste Zufuhr dauert bis zehn Uhr. Die Wagen fahren gleich vor die betreffenden Stände, denn eine breite Fahrstraße von 87½ Meter Länge durchzieht die ganze Halle. Dann tritt eine Pause ein, um 12 Uhr 20 Minuten ertönt aber das Signal der Stadtbahn, deren Perron direkt an die Halle reicht.

Alle für die Markthalle bestimmten Sendungen werden zuerst nach dem Schlesischen Bahnhof dirigiert und gehen von da in gemeinsamem, 5 bis 10 Waggons starkem Zuge nach der Halle. Sobald die Waggons angelangt sind, wird die Planke, welche jeden Wagen schließt, abgenommen und die Ware von einer Anzahl von Arbeitern (dem Personal der Gesellschaft für Möbelfuhrwerk, welche dieses Geschäft in Entreprise hat) in Empfang genommen und auf den mächtigen sechs Fahrstühlen hinunter befördert in den eigentlichen Marktraum, denn der Perron liegt oben. Da jede Ware mit dem Namen des Empfängers bezeichnet ist, kann sie von den unten harrenden Arbeitern sogleich auf Rollstühlen zu den betreffenden Ständen geschafft werden, so daß jeder Händler morgens seine Ware vorfindet. Alles das vollzieht sich mit der größten Schnelligkeit; die hydraulischen Fahrstühle, von denen jeder Aufzug der Gesellschaft durch Kohlen- und Wasserverbrauch 25 Pf. Kosten verursacht, arbeiten schnell und sicher. Um drei Uhr werden alle elektrischen Lampen und Glühlichte angezündet, denn nun beginnt das Einfahren der Schlächter- und Gemüsewagen, die an den Haupttagen etwa die Zahl von 400 erreichen. Es gewährt einen eigentümlichen Anblick, diese Menge von Fuhrwerk ankommen zu sehen.

 

Die Straße ist breit genug für vier Wagen neben einander, und doch waren diese, als wir zusahen, oft so gedrängt und ineinander gefahren, daß es von oben her unmöglich schien, sie zu entwirren. Und doch geschah das ohne allen Streit; es ordnete sich alles schnell, die Wagen wurden entladen, kräftige Burschen trugen halbe Rinder und Schweine in die Stände ihrer Herren und hingen sie auf und die leeren Wagen fuhren schnell zum anderen Tore hinaus; umwenden kann und darf keiner. Dann wird es wieder still, bis die Blumen- Engrossistinnen und Vermittlerinnen erscheinen. Hier kommen noch zum Teil die echten alten Marktfrauen zum Vorschein, aber sie haben mit dem Publikum nichts zu tun. Sie zahlen 30 Pf. für ihren Stand oben auf der Galerie. Dorthin kommen die Detailverkäuferinnen und füllen ihre Körbe und Kiepen, mit denen sie später auf den Straßen oder in der Halle selbst Handel treiben.

Damit ist die Arbeit der Nacht beendet und um 6 Uhr verkündet die Glocke den Beginn des Marktes. Jetzt fangen auch die Auktionen an. Diese werden von den Vermittlern veranstaltet, deren es fünfzehn gibt. Bisher hatten nämlich die Engroshändler mit den Detaillisten direkt verkehrt, jetzt aber treten, eine ganz neue Einrichtung, diese Vermittler dazwischen, als eine Art von Warenmaklern. Diese dürfen auch selbständig Geschäfte machen, was ihren Kollegen an der Börse verboten ist. Sie übernehmen Verkaufs- und Kaufsaufträge. Die Verwaltung aber hat das Recht, jederzeit Einsicht in ihre Bücher zu fordern, um zu sehen, was die Ware gebracht hat und wie sie mit ihrem Auftraggeber abgerechnet haben. Die Vermittler veranstalten auch Auktionen, wie sie in London und Paris längst eingeführt sind. In Berlin trat man ihnen zuerst mit Argwohn entgegen, weil man an die Schwindelauktionen, wo wertlose Waren losgeschlagen werden, dachte, der Verkauf hat aber gezeigt, daß dieser Verdacht ganz unbegründet war, daß vielmehr gute, gesunde Ware von solchen Orten hergesandt wird, wo eine Überproduktion oder ein zu reichlicher Fang, z. B. von Seefischen, stattgefunden hat und man deshalb schnellen Absatz sucht und findet.

Die Verwaltung der Markthallen ist eine städtische. Sie wird durch ein Kuratorium von fünfzehn Mitgliedern unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Herrn v. Forckenbeck ausgeübt und ist in zwei Subkommissionen geteilt, von denen die eine für die Zentralhalle, die andere für die drei anderen bestimmt ist. Die Oberleitung ruht in den Händen des Ökonomierats Herrn Hausberg, der auch Direktor des städtischen Viehhofes ist, so daß das ganze städtische Marktwesen in einer Hand liegt. Alle Markthallen sind unter einander, sowie mit dem Viehhof und dem Rathaus telephonisch verbunden, so daß die Leitung bequem von einem Punkte aus geschehen kann, ohne daß die persönliche Gegenwart des Betreffenden überall erforderlich wäre. Welchen Anklang das ganze Institut gefunden hat, geht schon daraus hervor, daß es sich bereits jetzt als ungenügend erweist, so daß schon sieben Bogen der Stadtbahn hinzugemietet werden mußten.

Ganz aber wird man, wie gesagt, die Vorzüge der Hallen erst genießen, wenn auch die anderen sechs gebaut sein und ihre Tätigkeit begonnen haben werden.

 

Quelle: Daheim, 1886, von rado jadu 2001




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