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Ein Zeichen der Konsequenz

Der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Dr. Peer Pasternak, bittet um Entlassung aus seinem Amt

Für die Studierenden ist der Rücktritt des Staatssekretärs für Wissenschaft und Forschung, Dr. Peer Pasternak, ein Verlust. Nicht nur hinsichtlich seiner Kompetenz als Wissenschaftler, dessen Reputation in der Hochschulpolitik liegt, sondern auch in seinem Verständnis von politischer Administration und Demokratie, ist sein Rückzug zu bedauern. So gehörte für Pasternak ein
Informationsaustausch mit den organisierten Vertretern der Studentenschaft zu denselbstverständlichen Regularien demokratischer Meinungsbildung.

Wenngleich der Rücktritt des Staatssekretärs für Wissenschaft und Forschung, Dr. Peer Pasternak, auch mehr als nur bedauerlich ist, so setzt Pasternak mit diesem konsequenten Schritt ein alarmierendes Zeichen. Es bleibt allerdings fraglich, ob bei den Studierenden tatsächlich die Alarmglocken ertönen.

Wenn jemand wie Peer Pasternak in dem zukunftsrelevanten Schlüsselfeld der Berliner Hochschulpolitik so gut wie keine Gestaltungsmöglichkeiten sieht, dann stehen die Zeichen auf Sturm. In Zeiten, in denen politische Gestaltung immer mehr zur Abwicklung verkümmert und der Ausverkauf des öffentlichen Raumes (einschiesslich öffentlicher Immobilien) das tagespolitische Geschäft bestimmt, ist es höchste Zeit, dass die Studierenden sowohl ihr Vertrauen als auch ihre passiv-konsumistische Erwartungshaltung gegenüber dem administrativ-parlamentarischen System aufkündigen und selbst(verwaltend) die "Sache" in die
Hand nehmen. Dass den Studierenden bei einem derartigen Projekt der lebendigen Demokratisierung wie sozialer Vernetzung gegenüber dem vorhandenen Status-Quo erstarrt-verfilzter Strukturen nicht nur ein kalter wie zermürbender Wind entgegenweht, sondern den Studierenden Knüppel nicht nur zwischen die Beine geworfen werden, mag viele abschrecken. Doch in diesen Zeiten der massiven Umverteilung und des sozialen Kahlschlags ist es allerhöchste Zeit, aufzustehen und selbst die Verantwortung zu übernehmen, um so Schritt für Schritt politische Gestaltungsspielräume wieder zurückzugewinnen. Dass dieser Prozess nicht
über Nacht vonstatten geht, sondern Ausdauer, Engagement wie die Fähigkeit zur Selbstkritik voraussetzt, sind Binsenweisheiten, die im Alltag des Widerstandes schnell in Vergessenheit geraten. Doch wer weiß: Vielleicht haben es die Studierenden wirklich in der Hand, verloren gegangene Spielräume zurück zu erobern und Pasternak irgendwann die Rückkehr aus dem Elfenbeinturm in den
trocken gelegten Sumpf schmackhaft zu machen.

 

Th. Rudek                                                                                                                                                        Berlin, d. 05.07.03