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Die Rasterfahndung der anderen Art:
Wie die Findungskommission für das Berliner Studentenwerk einen neuen Geschäftsführer ermittelt
(ein Bericht von Thomas Rudek vom 04.06.02)

Obwohl feststeht, daß der jetzige Geschäftsführer des Berliner Studentenwerks erst im Herbst diesen Jahres in den verdienten Ruhestand geht, wollte der Verwaltungsrat bereits im letzten Jahr - bevor sich der neue Senat konstituieren konnte - die personalpolitischen Weichen stellen. An die Auflage des Landesrechnungshofes, die ungerechtfertige finanzielle Gleichstellung in der Entlohnung zwischen dem Geschäftsführer des Studentenwerks und dem Universitätskanzler bei einer Neueinstellung zu revidieren, wollte sich das Senatsmitglied und Moderator des Verwaltungsrates und der Findungskommission, Herr Dr. Hempel, nicht gebunden fühlen. Die ISPA erinnerte nachhaltig an diese Auflage, die letztendlich auch befolgt wurde.

So wurde im letzten Jahr schnell eine Findungskommission gebildet (der bezeichnenderweise nur ein studentisches Vorstandsmitglied angehörte): die Anzeigen wurden geschaltet, die eingegangenen Bewerbungen sortiert und systematisch ausgewertet. Allerdings war das Ergebnis relativ mager: Dem Verwaltungsrat wurden von über 120 eingegangenen Bewerbungen nur vier Kandidaten vorgestellt, von diesen vieren sprang einer ab, da waren es nur noch drei. Von diesen drei Kandidaten hatte der Senat noch einen eigenen Mann ins Rennen geschickt, allerdings nach Ablauf der Bewerbungsfrist. Das gefiel dem Vertreter des Personalrats nicht - da waren es nur noch zwei. Von den zwei Bewerbern hatte ein Kandidat sehr hohe finanzielle Erwartungen - und da war es nur einer, der es allerdings als langjähriges Mitglied im Vorstand des Studentenwerks versäumt hatte, sich als Fürsprecher der studentischen Interessen zu profilieren, so daß niemand übrig blieb und das Verfahren erneut angesetzt werden mußte.

Unterdessen hatte sich auch der neue Senat konstituiert. Erneut wurden die Anzeigen geschaltet und dieses Mal gingen 140 Bewerbungen ein. In der Findungskommission war wieder nur ein studentisches Mitglied vertreten. Entscheidend sind die Rasterkategorien, nach denen "gesiebt" wurde. Eigentlich hätte erwarten werden sollen, dass die Suche nach einem geeigneten Geschäftsführer von folgendem Fragenkatalog ausgeht:
1. Stichwort "Spezielles Kontextwissen" - was weiß der "Doktor" über den "Patienten", den er behandeln will und von wem hat er seine Kenntnisse;
2. Stichwort "Lobby-Arbeit" - welche Erfahrungen in der politischen und öffentlichen Lobby-Arbeit sind vorhanden;
3. Stichwort "Erfahrungen als GF" - von welchem Unternehmen kommt der Bewerber (Unternehmensgröße, Haushaltsvolumina)
4. Stichwort "Erfahrungen im Krisenmanagement" - befand sich das Unternehmen auch in einer Krise und wie wurde konsolidiert und reformiert;
5. Stichwort "Motivation" - wie ist es um die Zukunft des Unternehmens bestellt (schließlich will man nicht einen Kapitän, der das sinkende Schiff verlässt)

Statt einen solchen Ansatz zu favorisieren, beließ es der Findungsausschuß bei einem äußerst dürftigen Rastermuster. Und so begnügte man sich, die Bewerbungen auf folgende Eignungsmerkmale zu untersuchen:

- Führung größerer Personalkörper
- Erfahrung Personalwesen
- Erfahrung im Haushalt & Rechungswesen
- Erfahrungen in sozialen Einrichtungen

Vom Krisenmanagement, Lobbyarbeit, dem speziellen Kontextwissen keine Rede!
Das Resultat dieser Bewerbung fiel auch entsprechend mager aus: obwohl 140 Bewerbungen eingegangen waren, präsentierte die Findungskommission dem Verwaltungsrat lediglich zwei Kandidaten, so dass die Qual der demokratischen (Aus)Wahl auf ein Minimum "reduziert" wurde. Letztendlich fiel die Bewerbung auf Frau Mai-Hartung, die kürzlich den Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Die ISPA beglückwünscht Frau Mai-Hartung zur Wahl und hofft auf eine gute sowie effiziente Zusammenarbeit mit den Berliner Studierenden.

Ein Nachspiel der besonderen Art soll nicht unter den Teppich des Schweigens gekehrt werden: Der Tagesspiegel hat ohne Autorisierung durch die Senatsverwaltung die Stellenanzeige zwei mal gedruckt. Auf die zweite Anzeige haben sich 9 Bewerber beworben. Eine entsprechende Liste wurde der Findungskommission am 03.04.02 vorgelegt mit der mündlichen Kommentierung, dass diese Bewerbungen nicht fristgerecht eingegangen seien (Quelle: ein Mitglied der Findungskommission). DENNOCH wurden diese Bewerbungen auf ihre Eignung gesichtet! Allerdings hatte sich die Findungskommission bereits vor dem 26.03.02 auf einen Kreis von geeigneten Kandidaten verständigt. Ein entsprechendes Schriftstück konnte die ISPA einsehen.
Auf das Beschwerdeverfahren eines Bewerbers, der sich auf die zweite Anzeige im Tagesspiegel beworben hat, reagierte die Findungskommission mit einem Schreiben, das für Interessierte im PDF-Format zur Einsicht freigestellt ist. Sollten nach dieser Lektüre Fragen bleiben, so spricht das für den gesunden Menschenverstand des Lesers.

Thomas Rudek                                                                                                                                   Berlin, d. 04.06.02