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Die geheimen Botschaften der Dienstzeugnisse

"In Dienstzeugnissen ist längst nicht alles Gold, was glänzt."

Bei Kündigung des Dienstverhältnisses hat jeder Arbeitnehmer das Recht auf ein Zeugnis. Egal, ob der Arbeitgeber mit ihm zufrieden war, oder ob sich Chef und Angestellter täglich bis aufs Messer bekämpft haben - im Zeugnis darf darüber nichts stehen. Damit aus dem Zeugnis allerdings doch ein subjektives Bild des Arbeitnehmers herausgelesen werden kann, bedient sich der Chef einer Art Geheimsprache.

Je ausführlicher, desto besser
Generell gilt: Je ausführlicher ein Zeugnis ist, je detaillierter die Fähigkeiten und Kenntnisse des Dienstnehmers beschrieben werden, desto besser ist es auch. Bei Formulierungen, wie "Herr X hat alle ihm übertragene Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt" - sträuben sich vielleicht die Nackenhaare echter Deutschprofis - dennoch: im Geheimcodex der Dienstgeber heißt das: Herr X hat "sehr gut" gearbeitet.
"Volle Zufriedenheit" drückt die Note "gut" aus, hat der Arbeitnehmer nur zur "Zufriedenheit" seines Chefs gearbeitet, war der gar nicht so zufrieden. Wer da nicht richtig durchsteigt, sollte sein Zeugnis von den Rechtsexperten der Arbeiterkammer prüfen lassen. Gegebenenfalls wird der Chef das Zeugnis überarbeiten müssen.

In den seltesten Fällen ist das "schlechte" Zeugnis böswillige Absicht. Unternehmerin Ingrid Hennrich: "Schließlich will man dem Dienstnehmer nicht die Zukunft verbauen." Jemanden über den grünen Klee loben, wenn er es nicht verdient habe, sei jedoch auch keine Art.

Die Chefin der Metallfabrik "Geisberger" aus Purkersdorf: "Dann schreiben wir lieber keine Beurteilung. Gesetzlich vorgeschrieben ist sowieso nur eine Dienstbeschreibung." Und die gibt nur Auskunft über Art und Dauer der Beschäftigung*.

Nicht zu sehr loben
In manchen Unternehmen ist der Dienstnehmer allerdings in der glücklichen Lage, sein Zeugnis selber verfassen zu dürfen. Hier ist es wichtig, auf verschiedene Punkte zu achten:

Details: Je genauer die Art der Tätigkeit und die Position des Dienstnehmers beschrieben wird, desto besser ist das Bild daß sich ein potentieller neuer Arbeitgeber machen kann.

Differenziertes Urteil: Nobody is perfect! Die Kombination von sehr gut, hervorragend oder zu unserer vollsten Zufriedenheit in Bezug auf eine Eigenschaft ist ein wenig dick aufgetragen. Auch wenn es sehr verführerisch ist, sich so positiv ins Rampenlicht zu stellen: Wer sich in wenigen Punkten kleine Schwächen einräumt und manche Leistungen nicht mit "sehr gut", sondern mit "gut" oder "zufriedenstellend" bewertet, macht sich nicht nur sympatischer, er wirkt auch glaubwürdiger.

Vollständigkeit: In einem guten Zeugnis werden alle Schlüsselqualifikationen und Eigenschaften angeführt, die der Dienstnehmer brauchte. Für eine Chefsekretärin heißt das: Zuverlässigkeit, Schnelligkeit, Pünktlichkeit, Belastbarkeit, Teamgeist sowie das fehlerfreie Beherrschen notwendiger Techniken wie Maschinenschreiben, Steno und bestimmte EDV-Programme. Für Sachbearbeiterfuntionen stehen neben Teamgeist fachliche Qualifikationen im Vordergrund. Bei Führungskräften sollte das Wort "Führungskompetenz" auftauchen. Fehlen einiger dieser Schlüsselqualifikationen, erweckt das den Eindruck einer punktuellen negativen Beurteilung.

Positive Signale: Schlußsätze, wie "wir bedauern sein/ihr Ausscheiden aus unserem Unternehmen" und " wir würden Herrn/Frau X jederzeit wieder mit den gleichen Aufgaben betrauen" geben dem Zeugnis den letzten Schliff.

Zeugnisformen:

Die Dienstbestätigung: gibt Auskunft über Art und Dauer der Beschäftigung.
Das Dienstzeugnis: enthält neben Art und Dauer der Beschäftigung eine Beschreibugn der Leistungen des Dienstnemhers.
Das Zwischenzeugnis: enthält die selben Angaben wie das Dienstzeugnis. Im Unterschied dazu wird es allerdings nicht erst am Ende einer Beschäftigung ausgestellt, sondern während eines aufrechten Dienstverhältnisses.

Vorsicht "Killer-Phrasen":

Was freundlich klingt, muß im Zeugnis noch lange nicht freundlich gemeint sein. Bei diesen Formulierungen sollte der Arbeitnehmer hellhörig werden:

"Er hat sich immer bemüht, seine Aufgaben zu erledigen." das bedeutet: ein Versager, eine Versagerin.

"Er hat alle kollektivvertraglichen Leistungen erbracht." das bedeutet: ein fauler Minimalist, ein Unruhestifter.

"Er hat durch seine Geselligkeit zu einem guten Betriebsklima beigetragen." das bedeutet: er feirte lieber, als er arbeitete.

"Er bewies Potential." das bedeutet: er hat sich nicht eingesetzt.

"Er bewies Wissensdurst und Tatendrang und war sehr kommunikativ." das bedeutet: neugierige Tratschn.

"Er genoß das Vertrauen seines Vorgesetzten." das bedeutet: er hat sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht.

"Er war Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen." das bedeutet: er hat keine Aufgabe ordentlich zu Ende geführt.

"Er zeigte Begabung für seine Tätigkeit." das bedeutet: ein hoffnungsloser Fall, der Dienstnehmer war bestenfalls durchschnittlich, wenn nicht sogar schlechter.




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