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Aus den Tagen der ersten Luftballons

"Und wozu soll ein Ballon gut sein?" fragte ein Schaulustiger den Amerikaner; der voller Begeisterung zusah.
"Sir", antwortete Benjamin Franklin, "wozu ist ein neugeborenes Kind gut?"

Fragt man heute, wer die Luftballons erfunden hat, so wird unter zehn Fällen neunmal höchstwahrscheinlich die Antwort lauten: "Die Gebrüder Montgolfièr". Wie es aber bei derartigen Gelegenheiten ist meistens der Fall zu sein pflegt, schlummerte auch bei der Erfindung des Luftballons die Anregung dazu im Zeitgeist. Und forscht man genauer nach, so wird man finden, daß es - selbst wenn man von dem sagenhaften Dedalus und seinem Sohne Ikars, die ja auch mehr zu den Aviatikern zu rechnen wären, absehen will - den beiden Brüdern nicht an Vorläufern gefehlt hat. Von allen verdienen jedoch höchstens zwei Erwähnung, nämlich zunächst der Pater Francisco Lana, der in seinem Anno 1670 erschienenen Werke große, luftverdünnte Hohlkugeln als die geeignetsten Apparate zum Emporsteigen in die Luft vorschlug. Die Theorie war auch ganz richtig, aber leider in der Praxis nicht durchführbar, was ihm schon ein Zeitgenosse, der berühmte italienische Arzt Borelli, nachwies. Aber Lana ließ sich schon infolge religiöser Bedenken auf keinen Versuch ein. "Gott," meinte er, "hat hier dem Menschen einen Riegel vorgeschoben." Und damit war die Sache abgetan. Unternehmungslustiger zeigte sich schon der brasilianische Jesuitenpater Bartholomeo Lourenco de Gusman. Wie es in den Berichten heißt, baute er aus leichten Weidenkörben, die er mit Papier überzog, einen Apparat, der sich, als er ein Feuer darunter anzündete, wirklich in die Luft erhob. Er fand am Hofe zu Lissabon reichste Förderung und Unterstützung; ja, der König erteilte ihm sogar am 17. April 1709 auf seine Erfindung ein Patent, in dem jeder, der sich einer Nachahmung schuldig machen würde, mit dem Tode bedroht wird. In Anwesenheit des gesamten Hofes stieg der Pater Gusman am 8. August 1709 vom Hofe des Indischen Hauses zu Lissabon in seinem mit heißer Luft gefüllten Apparate, der ein vogelartiges Aussehen gehabt haben soll, bis zu einer Höhe von zweihundert Fuß in die Luft empor. der Ballon trieb jedoch gegen das Dach des königlichen Palastes, beschädigte sich dabei und sank, um sich nie wieder zu erheben. Bei seinem enttäuschten König in Ungnade gefallen, starb Gusman in kümmerlichen Verhältnissen.

Das es ihm aber trotzdem an Nachfolgern nicht gefehlt hat, beweißt ein Brief, den ein polnischer Edelmann in Warschau an den Herausgeber einer uralten Zeitung für "Unterhaltung, Vergnügen und Belehrung" schrieb. Der Brief berichtet über einem dem Könige von Polen gemachten Vorschlag in bezug auf die wundersame erfindung, durch die Luft fliegen zu können. es heißt dort wörtlich: "Hirmut thu ich euch kund und zu wissen, daß zur zeit am hoffe des Königs von Poland ein gar berümbter mann auß dem lande Arabia ist eingetroffen, so dem Könige hatt vermeldet und mit seinem Kopffe darfür gebyrget, er besitze eine machinam, die sen so leicht, daß sie in die lufft könne steigen, widerumb aber auch so fesst und stark, daß sie zwo Männer könne mit ihr nemmen und mit ihnen flieggen, darvon der eine dürffe schlaffen, duweylen der andere die machinam im gange haltte. der apparatus aber sol sich vergleichen einem grossen fligenden drachen - wie ihr sehet konterfeyet auff denen alten Wandtteppychen - darvon er auch benamset sey."

"Auch hatt der hochgelahrte inventor," so heißt es ferner im Brief, "gar fürtreffliche Zeugnisse und dokumenta, so ihm in vilen andern Ortten und städten, allwo er mit dem apparato allerley experimenta angestellet, sind ertheilet worden, zu seynem grossen ruhm und ehr so wie zu der Zuschauer belustigung und verwundernuss."

Ob es dem unternehmungslustigen "hochgelahrten Manne aus dem Lande Arabia" gelungen ist, den König von "Poland" für seine "machinam" zu begeistern, darauf gibt die Weltgeschichte leider keine Antwort.

Doch nun sollte es nicht mehr lange währen, bis jenes Brüderpaar, dessen Name mit der Erfindung des Luftballons für immer unlöslich verknüpft ist, seine ersten grundlegenden Versuche nach dieser Richtung hin übernahm. Was den Anlaß dazu gab, ist bis auf den heutigen Tag noch nicht völlig einwandfrei festgestellt worden. Während der eine ihn auf die allerdings total mißlungenen Versuche des später sehr erfolgreichen Luftschiffers Blanchard zurückführen will, sucht ein anderer ihn in Betrachtungen der beiden Brüder, wie man der damals von den Engländern in der Festung Gibraltar belagerten Besatzung auf dem Luftwege Hilfe bringen könne. Und ein dritter mißt ihn der Beobachtung eines wunderbaren Naturschauspiels bei, das die Brüder in ihrem alpinen Wohnorte Annonay täglich vor Augen hatten, nämlich der erscheinung der aufsteigenden, in der Luft schwimmenden und sinkenden Nebel.

Wie die Montgolfièrs, die als wohlhabende Papierfabrikanten das zu ihren Versuchen erforderliche Material selbst aufs billigste herstellen konnten, zunächst aus Papier eine Hülle von etwa 1 cbm Rauminhalt anfertigen ließen und diese durch darunter verbranntes nasses Stroh zum Steigen brachten, dürfte allgemein bekannt sein. Und das gleiche gilt wohl auch von ihren späteren Experimenten. Daher soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden, daß sie, um ihr Licht so recht weithin leuchten zu lassen, den Tag der Städteversammlung in ihrer Vaterstadt Annonay - den 5. Juni 1783 - abwarteten, ehe sie den ersten größeren Ballon öffentlich aufsteigen ließen.

Dieses Schauspiel erregte auch das gewünschte Aufsehen. Denn als die Brüder Montgolfièr im September des gleichen Jahres, der ehrenvollen Einladung des königlichen Hofes sowie der Akademie Folge leistend, in Paris eintrafen, wurden sie von der gesamten Bevölkerung der Hauptstadt jubelnd empfangen. Zwar hatten inzwischen der Physiker Charles und der Mechaniker Robert am 27. August einen von ihnen gebauten Ballon auf dem Marsfelde steigen lassen, aber Paris erhoffte von den ursprünglichen Erfindern doch noch vorzüglichere Leistungen. Der von Montgolfièr konstruierte Ballon stieg auch zu einer nicht unbeträchtlichen Höhe empor, wurde jedoch durch einen gewaltigen Wolkenbruch so aufgeweicht, daß ihn der Sturm total vernichtete. Doch im Zeitraum von fünf Tagen fertigte Montgolfièr, den der König zu einem Bollonaufstiege in Versailles aufgefordert hatte, mit Hilfe seiner Freunde einen neuen, recht zierlichen Ballon an. Dieser bestand aus einem himmelblauen Baumwollstoffe, auf dem außer anderen Verzierungen auch mehrere verschlungene "L" - eine dem König Ludwig XIV dargebrachte Huldigung! - mit Gold gemalt waren. Gern wäre schon damals der Marquis d'Arlandes mit emporgestiegen; da der König dies jedoch nicht gestattete, man aber die Wirkung eines solchen Aufstiegs auf lebende Wesen trotzdem erproben wollte, so wurde dem Ballon ein Korb angehängt, der - einen Hammel, einen Hahn und eine Ente barg.

Erster Versuchsballonund sein EndeAuf diese Episode beziehen sich die beiden satirischen Abbildungen von denen die erste den Aufstieg darstellt, der von den Gelehrten der Akademie mit Fernrohren beobachtet wurde, während die zweite den betrüblichen Ausgang dieses aufstiegs wiedergibt. Als man um ein Uhr die Seile losließ, war der Ballon gerade und majestätisch emporgestiegen. Doch schon nach etwa zehn Minuten bekam er einen Riß und sank nun sehr schnell. wobei er schließlich in ein nahe gelegendes Gehölz geriet, dessen Zweige den Stoff des Ballons vollends zerfetzten. Die Stricke, an denen der Korb mit den drei Tieren am Ballon hing, waren schon früher gerissen, so daß der Käfig aus beträchtliher Höhe herabstürzte. Wunderbarerweise erlitten seine Insassen dabeinicht den geringsten Schaden; und ein seltsamer Zufall fügte es, daß derjenige, der den Käfig aufhob, später das erste Opfer der Äronautik werden sollte; es war ein Pariser, namens Pilâtre de Rozier.

Man sieht, einer allzugroßen historischen Treue haben sich seinerzeit die Zeichner unserer beiden Stiche gerade nicht befleißigt; aber es war wohl auch nur ihre Absicht, sich über die ganze Sache, die sie nicht ernst nahmen, lustig zu machen.

Wie alles, das auf erden Bedeutung, Erfolg und Gewinn verspricht, so fanden auch die Montgolfièrs Nachfolger und - Nachahmer. Die ersteren dürften besonders die bereits erwähnten Gebrüder Robert und der Physiker Charles zu rechnen sein. Ihrer gemeinsamen, auf wissenschaftlicher Grundlage basierenden Arbeit verdankte die neueste Erfindung drei der wichtigsten Verbesserungen, deren Nachwirkung noch bis auf den heutigen Tag anhält. Die drei Genossen ersetzten erstens das bisherige Material der Ballonhülle, die Baumwolle, durch das leichtere und außerdem festere Seidengewebe, das sie zweitens mittels einer Gummilösung noch dichter machten und somit die durch Entweichen des Gases entstehende Abnahme des Auftriebsmittels verringerten. Und drittens führte Charles als Füllmaterial das Wasserstoffgas ein - wie man sieht, lauter praktischer Abänderungen, die sich bis jetzt erhalten haben.

ProjektGenährt durch die sich jetzt immer häufiger wiederholenden Expeditionen, und besonders nach dem Pilâtre de Rozier und der Marquis d' Arlands als erste Menschen den Aufstieg in einem freien Ballon gewagt hatten, bemächtigte sich Frankreichs ein wahres Ballonfieber. Und dieses griff auch Bald nach Italien, Deutschland, ja selbst nach der Neuen Welt hinüber, denn schon in den Jahren 1784 und 1785 machte der Amerikaner Dr. Jeffries, allerdings von London aus, mehrere Aufstiege zu wissenschaftlichen, speziell metereolgischen Zwecken. Und ein gewisser Robertson, dessen völlig verrücktees Projekt, den einem Freilichtmuseum ähnelnden Luftballon Minerva, stieg im Jahre 1803 mehrfach von Hamburg, später auch Wilna, Riga und Petersburg auf; doch fanden seine wissenschaftlichen Resultate wenig Glauben.

 

Nur England hielt sich anfangs sehr zurück. Nachdem aber der neapolitanische Gesandschaftssekretär Lunardi am 25 September 1784 in einem von ihm selbst gebauten, kugelförmigen Ballon mit einer Taube, einem Hund und einer Katze vom Artillery Ground in Gegenwart des Prinzen von wales aufgestiegen war und das Vorurteil der englischen Nation gegen Luftballons und ihre Ungläubigkeit in bezug auf die Möglichkeit des Fliegens überwunden hatte, mehrten sich auch dort die Aufstiege. BlanchardDer berühmte von allen war wohl die am 7. Januar 1785 von dem Franzosen Blanchard in Begleitung des Dr. Jeffries unternommene, an aufregenden Zwischenfällen reiche Fahrt über den kanal. der bei diesem Fluge von Dover nach Valais verwendete Ballon war - wie man aus der Abbildung ersehen kann - von länlicher Form und mit einem starken Netzwerk ausgerüstet, von welchen Stricke herabhingen, an denen die Gondel befestigt war. Außerdem hatte Blanchard die "Maschine", wie man damals die Ballons nannte, mit mehreren ruderartigen Vorrichtungen und einer Art von Steuer versehen, mit dem er den Ballon wie ein Schiff zur See lenken zu können hoffte. Den Aufstieg des gefüllten Ballons, der sich in der Nähe des Schlosses von Dover befand - und zwar hart am Rande jener abgrundtiefen Klippe, die Shakespeare bei seiner berühmten Schilderung im König Lear vor Augen gehabt haben soll - beschreibt ein Augenzeuge folgendermaßen: "Der Ballon wurde in die oberhalb der See befindliche Luft abgestoßen, wie man ein Boot vom Ufer in das Element abstößt, in das es gehört."

Welch ein angstvoller Augenblick dieser Aufstieg für die Zurückbleibenden gewesen sein muß, kann man sich leicht vorstellen. Überall prophezeite man dem waghalsigen Unternehmen Unheil, und es hätte auch nicht viel gefehlt, daß diese Prophezeiungen wirklich in Erfüllung gegangen wären. Denn schon bald nach der Abfahrt stellte es sich heraus, daß man zu schwer geladen hatte, und die Reisenden mußten ihren gesamten Ballast bis auf etwa dreißig Pfund ausschütten, um nicht schon an der Abfahrtstelle zu ertrinken; dann erst trieb die leichte Brise das schwankende Fahrzeug über die See. Doch kaum war eine halbe Stunde vergangen, als die beiden kühnen Luftschiffer zu ihrem Entsetzen wahrnahmen, daß der Ballon, wenn auch wenig, so doch ständig Gas verlor und zusammenschrumpfte. Eiligst erleichterten sie die Traglast durch das Auswerfen der Hälfte ihres geringen Ballastrestes, und schon nach wenigen Minuten folgte ihm die andere Hälfte nach. Trotzdem sank der Ballon tiefer und immer tiefer, so daß die Insassen der Gondel sich genötigt sahen, auch ihre Instrumente, Bücher, ja sogar ihren Mundvorrat über Bord zu werfen; aber der entschluß zu letzterem mag ihnen nicht allzu schwer gefallen sein, in ihrer gefährlichen Lage wahr ihnen wohl der Appetit vergangen. Schon winkte ihnen Frankreichs Küste, doch nun schrumpfte die Maschine derartig ein, daß Blanchard auch die Ruder und das Steuer seines Luftschiffes opferte, und ihnen folgte Anker, Seile und schließlich selbst die Kleidungsstücke der beiden Luftschiffer nach. Trotzdem aber hörten sie das Rauschen der Wogen, das Donnern der Brandung dicht unter sich, schon hatte Jeffries sich erboten, hinabzuspringen, um Blanchard zu retten, als die Brise mehr und mehr auffrischte und der Ballon sich hob. In einem wundervollen Bogen emporsteigend, segelte er über Kap Blanc und calais dahin, um bald danach im Wipfel eines hohen Baumes im forst von Guinnes zu landen. Voller Begeisterung wurden die ausgehungerten und nur dürftig bekleideten Luftschiffer von Calais' Honoratioren empfangen und gefeiert. Außer einer lebenslänglichen Jahrespension von 600 Francs und dem Ehrenbürgerrechte, dessen Urkunde ihm der Magistrat von Calais in einer goldenen Kapsel überreichte, erhielt Blanchard auch noch vom Könige eine Ehrendotation von 2000 Francs, sowie ein Jahresgehalt von 1200 Francs.

Charles GreenWaren auch die ersten Ballons natürlich von sehr primitiver Konstruktion und Ausstattung, so mehrten sich die Verbesserungen jetzt jedoch in rascher Folge. Viele verschwanden von der Bildfläche wieder ebenso schnell, wie sie aufgetaucht waren, wenige nur waren von bleibendem Wert. Allseitiges Interesse erregte Mitte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts eine Erfindung, die ihr Erfinder, ein Engländer namens Green, als "Ausgleichs- und Ableitungszubehör" bezeichnete, und von der wir hier ebenfalls eine Abbildung bringen. Wie hier ersichtlich, versah Green seinen Ballon mit einem Segel, das er wie ein Schiffssegel setzen, reffen und beschlagen konnte. Auch die bereits von Archimedes ersehnte, jedoch bis auf den heutigen Tag noch nicht gefundene Lösung des Problems, in der Luft einen "point d'appui, einen Stützpunkt zu schaffen, an welchem der Steuermann die Druckkraft des Steuers zur Lenkung des Ballons ansetzen und wirken lassen könne, glaubte Green erreicht zu haben. Und zwar dadurch, daß er an seinem Ballon ein etwa 300 m langes, nachschleppendes, von ihm "Lenkseil" getauftes Tau anbrachte, das aus Hanf und Kautschuk angefertigt war, die man in einem solchen Verhältnis gemischt hatte, daß das spezifische Gewicht des Lenkseils geringer als das des Seewassers war.

Dieses Seil lief durch eine Rolle, die an dem Ringe befestigt war, an dem die Gondel hing, und stand mit einer in der Gondel befindlichen Winde in Verbindung. An seinem Unterende war in kurzem Abstande eine Anzahl von Schwimmern und außerdem ein größeres Gefäß angebracht, das beim Eintauchen ins Wasser wie ein Dregganker die Schnelligkeit des Ballons verringern sollte, so daß an diesem Widerstande die Kraft des Segels einsetzen und seine Wirkung ausüben könne. An dem vorher erwähnten Ringe waren auch noch zwei kürzere Seile befestigt; mit Hilfe der Winde und dieser beiden Seile konnte das Segel im Winkel gesetzt werden, so daß es den schräg auffallenden Wind abfing. Wie der Erfinder hoffte, würde der Ballon je nach der spitz- oder stumpfwinkligeren Segelstellung und der größeren oder geringeren, durch vermehrtes oder vermindertes ausstecken des Leitseiles regulierbaren Wirkung des künstlichen Dreggankers von der direkten Windrichtung mehr oder weniger abgelenkt werden.

Zunächst sollte diese Erfindung nur beim Fluge des Ballons über See in Wirkung treten. Doch der Erfinder meinte, daß der Luftschiffer mit einem Ballon von hinlänglicher Größe und dem Ersatz des künstlichen Dreggankers durch ein schweres Drahtseil auch überall segeln können würde. Und da der Ballon dem Leitseil doch immer voran wäre, würde man durch Beobachtung der Stellung dieser beiden Gegenstände zueinander und mit Hilfe des Kompasses die Richtung des Kurses ermitteln können.

So geistreich diese Idee in der Theorie auch war, bewährte sich der ganze Apparat in der Praxis jedoch leider nicht so gut, wie Mr. green es wohl gehofft hatte; ihm fehlte die Beständigkeit. Zwar funktionierte das an Stelle des greggankers verwandte schwere Drahtseil bei einem Probefluge über Land von London bis Nassau vorzüglich, und ebenso bei einer zweiten Fahrt von Hastings über den Kanal nach Boulogne, die Mr. Green in Begleitung des Herzogs von Braunschweig unternahm. Aber absoluter Verlaß auf den Apparat war nicht. Und daran krankten alle späteren erfindungen, so genial sie sich auch auf dem Papier ausnehmen mochten, ebenfalls.

MerkwürdigUnsere letzte Illustration bring die abbildungen einer anzahl von Luftballons, die in ihren erfindern wohl große Hoffnungen auf Ruhm und klingenden Erfolg genährt haben mögen, die aber ausnahmslos das Schicksal der Greenschen Erfindungen teilten und klanglos hinabsanken in den Orkus der Unbrauchbarkeit. Hier die Erklärung der einzelnen Typen des Gesamtbildes:

  1. Ein vom Ingenieur Blainville erfundener Luftballon.
    Leider fehlt eine erklärung, wodurch diese Schwengel in Betrieb gesetzt werden können, doch gibt die Abbildung eine Idee, wie ein Ballon durch Pumpen mit Luft gefüllt oder davon entleert werden kann.
  2. Eine vom Abbè Molan konstruierte Montgolfière, die mit einer Seitenöffnung versehen war, durch welche - nach Ansicht ihres Erfinders - die erhitzte Luft ausströmen und, wie bei einer Turbine, den Ballon in der entgegengesetzten Richtung vorwärts treiben würde. Da die "Maschine" - wie man anfangs alle Ballons titulierte - jedoch Feuer fing, kam das Experiment leider nicht zustande.
  3. Ein Ballon mit darunter angebrachtem, umgekippten Fallschirme, eine Erfindung des Dragonerkapitäns Henin. Dieser Fallschirm sollte erstens den Aufstieg des Ballons hemmen und außerdem wie ein point d' appui wirken, so daß man, wie mit einem Boote durch das Wasser, mit dem Ballon durch die Luft segeln und diesen nach Belieben steuern könne.
  4. Sir George Caylens Lenkballon aus dem Jahre 1816.
  5. Samsons Aerostat, ein Fischballon, der besonders dadurch Interesse erregte, daß er der erste war, dessen ballonhülle nicht aus weichem Stoff, sondern aus einem starren Gestell bestand, und daß er mit mehreren aus federn hergestellten Flossen ausgestattet war. Aber wie der ballon des Pariser Uhrmachers Julien erforderte auch der Samsonsche Aerostat motorisch Triebkraft.
  6. Der seltene alte Stich, nach dem diese Abbildung reproduziert ist, enthält leider keine Erklärung dieser sonderbaren Zeichnung.
  7. Der "Adler", ein vom Grafen Lennox konstruiertes Luftschiff, das schon vor dem Probefluge, der im August 1834 auf dem Marsfelde bei Paris stattfinden sollte, eines kleinen Defektes wegen von der wütenden Volksmenge zerstört wurde.
  8. Das monströse Luftschiff des Mützenmachers Petin - ein Sammelsurium von Unvernunft.
  9. Juliens Aerostat, dessen 7 m langes Modell am 6. November 1850 im Pariser Hypodrom aufstieg und, durch ein unten angehängtes Uhrwerk getrieben, gegen den Wind flog.
  10. Ein im November 1851 von einem Mr. Helle gebautes Luftschiff, das aus einer Kombination von Flügeln und Schrauben bestand, die von zwei Mann in Bewegung gesetzt wurden.

Heute hat sich die Aeronautik ihren festen - und zwar keineswegs den letzten - Platz unter den zahlreichen Sportsübungen des zwanzigsten Jahrhunderts erworben. Und die Vorliebe für Ballonfahrten ist dank der Erfolge eines Zeppelin, eines Parseval noch immer im wachsen begriffen. Ständig hört man von neuen Rekorden, neuen Verbesserungen, freilich auch ab und zu von Havarien und Unglücksfällen. denn Vollkommens gibt's auf erden nicht; aber wir wollen hoffen, daß die Vervollkommnungen in Zukunft die Zahl wie die Schwere der Unfälle auf ein Minimum herabmindern werden.

Paris

Alfred Peuker

Quelle: Das große Weltpanorama der Reisen, Abenteuer, Wunder, Entdeckungen und Kulturtaten in Wort und Bild, Ein Jahrbuch für alle Gebildeten; Stuttgart, Verlag von W. Spemann; © Jadu 2001

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