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Die Zeppelin Luftschiffe

von Ingenieur Fritz Bergwald

Fünf Zeppelinkuftkreuzer, die "Deutschland", "Schwaben", "Sachsen", "Viktoria Luise" und "Hansa", sämtlich der Deutschen Luftschiffahrtsaktiengesellschaft gehörig, dienten bisher regelmäßigen Passagierfahrten und haben sich dabei aufs beste bewährt. Die beiden ersteren, die "Deutschland" und die "Schwaben", haben bei bedauerlichen Katastrophen ihren Untergang gefunden. Die letzteren, die "Viktoria Luise" und "Hansa", stellen den neuesten Typ der Zeppelinluftschiffe dar.

Bei den mancherlei Verbesserungen, die im Laufe der Zeit eingeführt wurden, hat man sein Hauptaugenmerk auf Erhöhung der Tragfähigkeit ohne Vergrößerung des Luftschiffes, bzw. größere Geschwindigkeit durch Erhöhung oder verbesserte Ausführung der Maschinenstärke gerichtet. Die Steigerung der Geschwindigkeit hat man erzielt durch Anwendung stärkerer Motoren, die nicht schwerer als die bisher verwendeten sind, ferner durch vorteilhaftere Anordnung der Steuerung, der Spitze und der Verkürzung des Luftschiffes.

Deutschland

Bei den älteren Luftschiffen waren die jalousieartigen Höhen- und Seitensteuer an der Spitze des Luftkreuzes angebracht. Hiervon ist man bei den neueren Typen abgegangen, und ist die Steuerung am Heck in Form von Kastensteuern angeordnet worden. Die bislang benutzten Daimlermotoren mit je 115 PS. wurden durch 3 Maybachmotoren von je 145 PS. ersetzt. Dadurch erreichte man bei gleichem Gewichte eine Erhöhung der Maschinenstärke um 30 PS. und eine entsprechende Geschwindigkeitserhöhung. Diese Vergrößerung der Eigengeschwindigkeit, die gegenüber den bisherigen (älteren) Typen 3 Sekundenmeter oder 10,8 km pro Stunde beträgt, ist ganz besonders wichtig. Die Luftschiffe vermögen durch diese Erhöhung der Geschwindigkeit eine Höchstgeschwindigkeit von 19,3 Sekundenmetern oder 68 km pro Stunde zu erreichen und sind somit die schnellsten Luftschiffe der Welt. — Die Luftkreuzer sind ca. 140 m lang, haben einen größten Durchmesser von 14 m und fassen rund 18 000 cbm Gas, das auf 17 vollständig voneinander getrennten Gaszellen verteilt ist.

Diese einzelnen Gaszellen liegen in je einem Glied des Luftschiffkörpers, zwischen zwei Querringen des Aluminiumgerüstes, eingebettet. Die Anordnung der Gaszellen ist für die Sicherheit der Passagiere von größter Wichtigkeit, da bei eventuellen Beschädigungen des Schiffes stets nur ein Teil des Gases entweichen kann. Das Aluminiumgerippe mit den eingeschlossenen Gaszellen ist mit einem imprägnierten Baumwollstoff umkleidet, der einmal die Gaszellen vor Ausstrahlung schützt und ferner die Lufttreibung der Zellen stark herabgesetzt.

Für Kriegszwecke ist eine gute Manövrierfähigkeit sehr erwünscht. Das bei den Zeppelinkreuzern verwendete starre System ist, wie auch die von der Militärbehörde veranstalteten Versuche beweisen, imstande, ohne weitere Hilfsmittel und ohne Ballastabgabe sich über 2000 m zu erheben.

Die Passagierluftschiffe besitzen drei Gondeln. Die vordere, die Führergondel, enthält einen Maybachmotor von 145 PS., ferner die Ballast- und Ventilzüge, sowie sämtliche Steuerräder. In der hinteren, der Maschinengondel, befinden sich zwei gleiche Motoren von je 145 PS. Die mittlere Gondel ist als Passagierkabine mit Platz für 24 Personen ausgebildet. Von dem vorderen Motor wird ein Paar zweiflügeliger Luftschrauben, die 500 Umdrehungen in der Minute machen, angetrieben, die hinteren Motoren treiben je eine vierflügelige Luftschraube von gleicher Tourenzahl. Mit zwei Motoren erreicht das Luftschiff eine Geschwindigkeit von 16,5 Sekundenmetern oder 60 km pro Stunde, während die Höchstgeschwindigkeit, wie bereits gesagt, 19,3 Sekundenmeter oder 68 km pro Stunde beträgt.

Hansa

Die Fortschritte der Zeppelinluftschiffe in der Geschwindigkeit ersieht man am besten aus der Tatsache, daß das alte Luftschiff "Z IV" im Jahre 1908 die Strecke Friedrichshafen — Luzern in 12 Stunden, die "Schwaben" dagegen in 6½ Stunden durchfahren hat.

Die Luftkreuzer haben eine Tragfähigkeit von etwa 21 000 kg in Meereshöhe. Nach Abzug des Eigengewichtes verbleibt eine Nutzlast von etwa 5 000 kg, schwankend je nach den Temperaturverhältnissen und der Höhe. Für Öl. Benzin usw. werden ca. 1 500 kg gebraucht.

Mit einem derartigen Vorrat an Betriebsmitteln kann das Luftschiff etwa 15 Stunden mit allen drei, oder etwa 20 Stunden mit zwei Motoren arbeitend, in der Luft bleiben und hierbei 900 -1000 km zurücklegen. Ein Kilometer Fahrt erfordert also etwa 1½ kg Betriebsmaterial.

Zur Bedienung des Luftschiffes sind 8 - 9 Personen erforderlich, und zwar: der Führer, der Fahringenieur, zwei Steuerleute und vier bis fünf Monteure. Von diesem Personal befinden sich der Führer, die Steuerleute und zwei Monteure in der vorderen, der Fahringenieur und die übrigen Monteure in der hinteren Gondel.

Die in der Mitte des Luftschiffes angeordnete, für 24 Personen Platz bietende Kabine ist elegant und bequem ausgestattet. Bequeme Korbmöbel dienen als Sitzgelegenheit. Für das leibliche Wohl sorgt ein kaltes Büffet.

Zu wissenschaftlichen Zwecken ist ein Laboratorium mit eingebaut worden. Dieses dient zu luftelektrischen Untersuchungen und als Station für drahtlose Telegraphie. Neuerdings befindet sich auch eine Luftpost an Bord.

Dem unermüdlichen Pionier auf dem Gebiete des Luftschiffbaues, dem Grafen von Zeppelin, sind die Erfolge seines Lebenswerkes von ganzem Herzen zu gönnen und ist ihm zu wünschen, daß das ihn reichlich verfolgende Mißgeschick endlich halt vor seinen Toren macht.

Z III

Quelle: Welt und Wissen, Peter J. Oestergaard Verlag, von rado jadu 2001



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