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Im Reich der Runen

Wolkenloser Sommerhimmel lacht über den waldigen Hängen des Osning, "des Göttergebirges", in den Detmoldschen Landen. Weit und breit kein Laut. Nur das gleichförmige knacken der Zweige unter den Tritten der beiden Packpferde und das wiegende knarren ihrer Tragsättel unter den schweren Lasten singen ein einschläferndes Lied in den Ohren der zwei Knechte, die mit weitausholenden Reiseschritten neben ihrem Herrn auf dem Saumpfade gezogen kommen. Sie haben sich ihrer Lederwamse entledigt, sie auf die Traglasten geworfen und laufen lediglich in ihren ärmellosen Kitteln mit wurfbereiten Speeren neben den Tragtieren her.

Viele Meilen haben sie schon hinter sich; denn hier in den ausgetretenen Pfaden in den Marken *1) reist es sich gefahrloser und flotter als im hohen Norden, wo sie doch jeden Augenblick auf einen Pfeilschuß aus dem Dickicht oder auf dem Angriff eines Wolfsrudels gefaßt sein mußten. Über ein halbes Jahr sind sie nun schon unterwegs. Ihre hageren, wetterharten Gesichter mit den Falkenaugen, die mechanisch den Weg absuchen, zeugen davon, daß sie seit vielen Nachtwachen kein Dach mehr über dem Kopfe gehabt haben.

Diese Handelsreise war für den Herrn ein ganz großer Erfolg. Als sie vor zwei Monaten die Samländer Küste erreichten, heulte der Sturm über die Dünen, und die donnernde Brandung fraß sich in den Sand hinein, als wollte sie ganz Samland austilgen aus den regenschweren Urwäldern des Nordens. Dann aber kamen die begehrten herrlichen Tage, an denen im fahlen Zwielicht der Silbernebel dis bärenstarken Blondköpfe mit ihren wasserblauen Kinderaugen, Bernstein *2), jenen wundersamsten aller Edelsteine, aus Schlick und Tang am Strande suchten und oft faustgroße Stücke für eine winzige Glasperle hingaben. Diesmal hatte er unerhörtes Glück gehabt, denkt der Herr. Drei volle schwere Traglasten erlesenen Bernsteins konnte er eintauschen für eine halbe Last Glasperlen,Messerklingen und Pfeilspitzen. Unwillkürlich gleitet ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht: Eine halbe Traglast minderwertigen Krams für unfaßbaren Reichtum!

 

Wenn auch die semnonischen Wölfe in einer Gewitternacht das dritte Packpferd zerrissen haben - droben am Orwarsund *3) -, so das er zwei Lederschläuche voll Elektron vergraben mußte, um sie bei der nächsten Reise heimzuholen, so würde der verbleibende Vorrat, den er jetzt mit sich führte, genügen, ihn zu einer der reichsten Männer Triers zu machen. Immer wieder während der ganzen Heimreise rechnete er sich vor, daß er mit den beiden Traglasten Bernstein beinahe eine römische Provinz würde kaufen können, da man doch schon für kleine Splitter des Zaubersteins schweres Gold bot, ganz abgesehen von den vielen Strähnen sonnenblonden Frauenhaares, das er noch obendrein in den suevischen Marken für ein paar jämmerliche Gewandfibeln *4) hatte eintauschen können. Der Herr grinst in sich hinein, wenn er daran denkt, wie eine suevische Bäuerin all ihren leibeigenen Mägden die dicken blonden Zöpfe abschnitt für eine einzige Zierspange aus ägyptischen Email. Und die Perückenmacher und Haarkünstler in Rom! Sie werden ihm diese prachtvolle Ware aus den Händen reißen; sie werden sich um ein Strähnchen germanischen Goldhaares am palatinischen Markt die Köpfe blutig schlagen, denn die wirklich feine Dame kann sich heute ohne die blonde Perücke am Hofe des Kaisers nicht mehr sehen lassen *5) .

 

Die Sonne glüht.- Fern am Horizont steht wie ein dünner Strich die Rauchfahne des Kohlstädter Feuerturms *6) am Himmel. Wenige Stunden noch, dann werden sie an dem größten Heiligtume Germaniens, den Sternsteinen an der Egge, vorüberkommen. Die Sättel knarren, Pferde und Knechte schreiten weit aus, triefend von Schweiß. Es wird Zeit, die Mittagsrast einzulegen.

Plötzlich ertönt - zu ungewohnter Stunde - der Schrei eines Eichelhähers, jetzt, da die Sonne am Mittag steht?! Mit einem Ruck macht die Karawane halt. Einer der Knechte deutet auf einen hohen Tannenwipfel, in dem seine scharfen Augen einen Späher im Ausguck entdeckt haben. Während sie noch, die Hände vor den Augen, hinaufsehen, fährt ein struppiger Köter unter wildem Gekläff aus den Büschen. Da saust auch schon der Knüppel, mit welchem der Knecht sein Packpferd antrieb, zielsicher dem Hund an die Schnauze, das er aufjaulend vor Schmerz mit eingezogenen Schwanz abseits flieht. Aber im gleichen Augenblick schnellt hinter einem Felsbrocken ein Bursche hoch, der mit grellem Fingerpfiff den Hund ruft. Die beiden Packknechte sind gleich ihrem Herrn hinter die Pferde in Deckung gegangen.

Einen Augenblick steht alles geduckt und angriffsbereit still.

Dann aber ruft der Knecht zu dem Burschen hinüber: "He, Du! Wie weit haben wir noch bis zum nächsten Wasser?!"

Der drüben horcht - scheint ihn nicht sogleich zu verstehen. Indessen sind zwischen Steinen und Gestrüpp acht weitere Hirten aufgetaucht, die, zum Teil die die Hände an den Speeren, hinter ihren kleinen Rundschildern aus der Deckung hervortreten.

Nach einigem hin- und herrufen nähert sich endlich ein Hüterbub auf Wurfweite. Da rammt der Knecht seine Saufeder *7) zum Zeichen friedlicher Absicht in die Erde, tritt hinter dem Packpferd hervor und wiederholt seine Frage nach Trinkwasser: Sie seien schon seit dem ersten Morgengrauen unterwegs und müßten jetzt irgendwo absatteln und rasten; denn sie beabsichtigen,noch vor Einbruch der Nacht die Sennertrift *8) zu erreichen, hätten also wohl noch ein gutes Stück Weges vor sich.

Nun geht der Hüterbub zurück zu den anderen, die zu einer Beratung in Gebüsch verschwinden. Wenige Augenblicke später tritt ein junger, bärenstarker Kerl vor und ruft den Fremden zu: Wasser gebe es hier schon, und wenn sie sich in ihrer Nähe lagern wollten, so hätten sie gerade nichts dagegen einzuwenden.

Also entschließt sich der Herr, zu bleiben. Während die Knechte die beiden Packpferde langsam zur Quelle führen, sieht er jetzt, daß sich vor ihm eine tiefe Talmulde öffnet, in der eine mächtige Herde von Hornvieh, Schafen und Gänsen liegt und der Mittagsruhe pflegt. Die Hirten haben sich inzwischen vom Bach zurückgezogen und in Rufweite im Moos gelagert. Vorsichtig spinnen sie ein Gespräch an, fragen, woher man käme, wohin man zöge, was man da auf den Pferden mit sich führte.

"Weiberzöpfe und Marderpelze!" ruft ihnen der Herr zu. Die Hirten grinsen.

"In Köln kauft man das Zeug", meint der Herr, "und man zahlt es, wenn auch schlecht, so immerhin mit barem Geld. Ihr müßt wissen, daß man dort erzählt, es gebe im Süden, weit, weit von hier, Leute, die sich künstliche Zöpfe daraus drehen lassen und an den Festtagen auf den Kopf stecken."

"Sonderbar!" "Verrückt!" lachen die Hirten.

Einer aber ruft dazwischen: "Köln! *9) Dahin könnt ihr doch jetzt nicht! Die Tenkterer *10) haben die Stadt niedergebrannt und alle Römer abgewürgt."

"Abgewürgt haben sie die nicht", schreit ein anderer, "aber sie wollen sie abwürgen und wollen die Stadt niederbrennen."

Verflucht! denkt der Herr; die Knechte horchen auf. Dann sagt er scheinbar gleichgültig: "So, ist das gewiß? Na, selbst wenn es so ist, was schadet 's? Ich bin ein Treverer *11) und hatte nur die Absicht, mir in Köln ein neues Pferd zu besorgen. Mein Brauner da lahmt ein wenig. Übrigens, wie wär's, wenn ihr uns einen Trunk Milch geben würdet? Es soll nicht umsonst sein!" Dabei nestelte er an seinem Lederbeutel, zog eine kleine Messerklinge heraus und warf sie dem großen Hirten zu. Das schien die Burschen offensichtlich zutraulicher zu machen. Einer erhob sich, jagte eine Kuh hoch, um sie zu melken; ein anderer sagte: "Wenn euer Gaul lahmt, sollte man unsere Horsvith holen, die ist bei Weleda, unserer hohen Frau im Turm *12), in der Lehre gewesen und versteht sich trefflich aufs Besprechen von Beinschäden bei Mensch und Tier." So schicken sie denn einen Buben hinüber nach dem heilkundigen Kräuterweib, rückten noch ein bißchen näher an die Fremden heran und waren bald inmitten einer lebhaften Unterhaltung.

"Ihr seid wohl schon lange auf der Fahrt, sonst müßtest ihr wissen, was alles geschehen ist! Im vergangenen Winter, wie die Römer schon fast bis zur Egge vorgedrungen waren, hat unserer Fürst Civilis noch einmal die Stämme aufgerufen, und, so wenig Hoffnung wir hatten, so geschah's doch, daß er die Römer weit über den Rhein zurückschlug. Aber du weißt ja, Herr, daß Weleda, unsere hohe Frau, das schon vor vielen Sonnenwenden vorausgesagt hat; nun ist alles eingetroffen. Xanten ist gefallen, Köln ist gefallen, sogar der römische Feldherr, der Mummius Lupercus, ist in unsere Hände geraten. Vor wenigen Wochen wollte ihn unsere Sippe der Weleda schenken. Civilis meinte, er sollte geopfert werden beim nächsten Fest drüben bei den Sternsteinen, aber Weleda wollte nicht, und da haben sie dann den Lupercus noch auf der Herreise umgebracht."

"Da werden wir über die Sennertrift nach Süden weiterziehen", meinte der Händler, "und sehen, ob wir um das Kriegsgebiet herumkommen können."

Aber die Hirten schüttelten die Köpfe, das ginge wohl schwer. "Weißt du", sagt Bodmar, der Riese, "die Sennertrift ist gesperrt, denn man fängt jetzt auf der heiligen Flur die Opferpferde ein. Morgen ist Sonnenwend, und alle Stämme rundum wollen sich diesmal bei den Kampfspielen *13) treffen. Man erzählt sich rundum überall, daß sogar unsere hohe Frau zu den Sternsteinen an der Egge kommen werde. Sie hat beschlossen, dort die Bitten der Kölner um Schonung zu hören."

Erstaunt horchte der Händler auf: "Seltsam! Es ist doch viele Jahre, daß Weleda den Turm *14) nicht verlassen hat. In all dieser Zeit ist niemand gewesen, der mir ihr hat sprechen dürfen, und nun will sie selbst zu den heiligen Steinen kommen? Glaubt ihr nicht, daß Großes vor sich gehen wird?" "Ja", sagten da die Hirten, "wir hören viel Merkwürdiges von allen Seiten. Jedermann weiß, bis hinauf zum Nordmeere, daß ein Gott in ihr wohnt. Seit Monden schweigt sie, und seit Monden haben selbst ihre nächsten Vertrauten aus ihrer Sippe nichts mehr ihr Gemach betreten, Es wird Großes geschehen!"

Während sie miteinander plauderten, kam aus dem Walde der eine der Buben in Begleitung einer jungen staatlichen Frau zurück, quer über die Heide. Bald konnte man erkennen, daß es Horsvith war, denn sie trug an ihrem breiten Ledergürtel zwei Beuten, in denen die heilkundigen Frauen die Kräuter und Zaubergeräte verwahrten. Ohne Gruß trat sie an den Händler heran, sah ihn scharf an und frug: "Dein Gaul lahmt? Führ ihn her!" Dann befahl sie, das Pferd mit dem kranken Bein ins Wasser zu stellen bis zur Abreise, Huf und Gelenk mit Arnikablumen einzureiben, trat vor das Pferd, segnete es und sprach, während die mit ihren kräftigen Händen über den kranken Fuß strich :

"Fohlen und Wotan / fuhren zu Holze /
wurde dem Fohlen / der Fuß verrenket,
Sintgunt besprach es und / Sunna, ihr Schwester
Wotan *15) besprachs dann / ders wirklich nur konnt,
sei, wie es wolle
Beinschaden, Blutschaden,
sei es auch Gliedschaden,
Bein zu Bein / Blut zu Blute / Glied zu Gliede –
daß sie heil wieder sind!!" *16)

Aufmerksam war der Herr neben sie getreten. "Horsvith ist dein Name?"

Sie nickte.

"Du sollst des Dienstes gedenken!" sagte er und nahm aus seinem Wams einen kleinen Bernstein heraus, in dem ein leuchtender Käfer eingeschlossen war. Dann sagte er: "Du weißt sehr wohl, was ich dir gebe." *17)

Horsvith nahm den Stein, betrachtete ihn lange, dann barg sie ihn in ihrer Zaubertasche und frug: "Du hast mir mehr gegeben, als die Heilung wert war; was wünschest du?"

Da meinte der Herr, sie solle ihm raten, wie er Weleda, die hohe Frau, selbst befragen dürfe über sein Geschick. Aber Horsvith schüttelte den Kopf: "Es ist unmöglich, was du willst. Seit Monden hat niemand sie gesehen, es sei denn Civilis, der Fürst, selbst. Wenn du um dein kommendes Geschick wissen willst, dann frage doch die alte Helge hinter den Sternsteinen in der Klause! Sie wird dir die Runen werden *18) und dir künden, wonach du verlangst." Damit wandte sich sich und ging.

"Ja", meinte Bodmar, der Hirt, "befolge du nur Horsviths Rat! Wir sind im vergangenen Vorwinter auch bei Helge gewesen. Da hat sie uns die Runenstäbe geworfen. Mir hat sie gesagt, ich würde noch vor Sommersonnenwend sieben Saufedern stumpf schlagen an Knochen und Blut, und der" – er deutete auf einen hinkenden Burschen – werde geschlagen bis auf Knochen und Blut. Recht hat sie gehabt! Zwei Monde später zog ich mit all den Unsern dem Fürsten zur Hilfe gegen Xanten. Freund! Das haben wir überrannt, daß kein Stein auf den anderen blieb und kein Römer lebend von den Wällen kam. Aber den da hat am Morgen, da wir auszogen, ein Wildeber gerissen, daß er mit gebrochenem Bein und offenen Wunden auf dem Stroh hat liegen müssen, bis heuer der letzte Schnee geschmolzen war."

So plauderten sie, indes die Knechte im Gras lagen und an Gerstenbrot und Dörrfleisch kauten.


Um diese Zeit stand Weleda, die fürstliche Seherin, auf der Zinne ihre hohen Turmes und hielt, gestützt auf ihren Krückstock, Ausschau nach Süden.

Kein Windhauch war zu spüren, Kerzengrad stieg der Rauch drüben von fernen Kohlstädter Feuerturm in den blauen Sommerhimmel auf. Am Gemäuer saßen die jungen Schwalben in ihren Nestern und sperrten unter Gezeis die Schnäbel auf nach Futter. Unten in den Kräutergärten des Südhofs jäteten die jungen Burgmaiden, die Schülerinnen der Weleda, zwischen Bilsenkraut, Schierling, Brechwurz, Eibisch und den vielen anderen Heilkräutern.

Mit suchenden Augen blickte die Greisin über die dunklen Wälder hinweg gegen die ferne Sternwarte in Oesterholz *19). Sie hatte am Morgen einen Boten hinübergesandt. Nun, da sie wartend niemanden entdecken konnte, überlief ein leichter Schauer ihre hagere Gestalt. Ihre mageren, blutleeren Hände leuchteten durchsichtig wie Glas im Sonnenlicht, als sie den Mantel über ihr weißes Haar zog, um sich gegen die ungewohnte Feuerlohe vom Himmel zu schützen; verließ sie doch selten und dann nur des Nachts die stummen kühlen Gewölbe des Turmes. Seit Wochen war sie von quälenden Gesichten und wilden Tagträumen bedrückt. Nun wollte sie die sternkundigen Meister von Oesterholz hören, ob sich deren Beobachtungen der Gestirne mit ihren Gesichten deckten. Rundum gärte es in den Landen. Die römischen Legionen am Rhein hatten einen schweren Stand gegen Germanien. Xanten war gefallen, Köln erobert und sollte niedergebrannt werden.

Die entfesselte Wut der Tenkterer und ihrer Helfer, der Bataver und Brukterer, war kaum mehr zurückzuhalten. Wenn es jemand gelingen würde Unheil zu verhüten, so war sie es allein, das wußte sie. Denn ihr Wort galt noch vor dem des Fürsten. Aber sie wußte auch nur zu gut, daß römisches Gold langsam und sicher seine Wirkung tat, Zwietracht säte und Verrat zeugte. Sie wußte nur zu gut, daß der Glanz der Weltstadt Rom die Jungen lockte wie das Licht die Motten. In den Nächten der letzten Wochen hatte sie kein Auge geschlossen; übergroß und erschreckend klar waren vor ihr die kommenden Dinge aufgestiegen. Sich selbst hatte sie gesehen im Rachen eines Ungeheuers, grauenhaft wie der Fenriswolf*20), und es wagte nicht, zuzuschnappen.

Wieder umfing sie ein wesenloses Sinnen und Träumen, als plötzlich Pferdegetrampel aus dem nördlichen Burghof sie aufschreckte. Nun sah sie, daß soeben der Osterholzer Oberpriester mit seinen beiden Begleitern auf ihren Schimmeln eingeritten war.

Als sie von der schmalen Steintreppe unten in das große, von zwei goldenen Öllampen spärlich erleuchtete Gewölbe trat, hatte eine Burgmaid den Weisen bereits heraufgeleitet und eingelassen.

"Heil dir, Kloisar!"*21) begrüßte ihn die Seherin; und während die Burgmaid ihn die Kissen und Pelze im großen Stuhl zurechtrichtete, fuhr sie langsam fort: "Du bist gütig, daß du gekommen bist! Ich habe dich gerufen, da du mir kund tun sollst, was du drüben gesehen hast - Seit vielen Monden flieht mich der Schlaf. Meine Augen sind klar geworden, wie sie noch niemals waren. Ich habe so vieles gesehen -, auch das Ende in späten Zeiten." Während sie auf ihrem Sitz zusammenkauerte, griff sie nach der heiligen Doppelaxt, die sie an breiter Bernsteinkette trug, und murmelte tonlos: Die Toten kommen und gehen, nicht nur des Nachts - auch bei Tage sitzen sie in den Ecken hier und flüstern mir zu. Gestern nacht ist Lupercus hier gewesen, inmitten all der Unsern. Er hat mir einen Becher gereicht, der mit Lorbeerblättern umkränzt war -."

Plötzlich brach sie ab und horchte auf, dann faßte sie die Hand des Sehers und flüsterte mit weiten fragenden Augen: "Du hörst sie wohl nicht, wie sie raunen und wispern? - Die vor Xanten blieben, waren alle hier - aber es sind ihrer immer noch zu wenig. Viele, die atmen und essen, fehlen noch -."

Dann aber sich aufraffend sagte sie: "Die Kölner haben mich angerufen; denn die Tenktere wollen sie austilgen mit Weib und Kind. Sie wollen sie opfern im Fesselhaine bis auf den letzten Mann. Aber ich werde es nicht zulassen! Keiner von allen soll die Hand aufheben gegen sein eigen Blut! Geschenke sollen die Kölner niederlegen in der Schatzkammer unter den Sternsteinen an der Egge *22). Dann aber sollen sie gemeinsam mit den Stämmen auf die Rennbahn gehn und um die Kränze streiten. Ich werde es nicht zulassen, daß auch nur einer flucht gegen den andern, der seines Blutes ist!" - Wieder starrte sie vor sich hin. Dann nickte sie:"Auch des Fürsten Los ist gefallen. Siebenmal noch kehren ihm die Rauhnächte wieder, siebenmal noch wird er die Fackel ins Sonnwendfeuer stoßen; dann wird es ihm gegönnt sein, auf den Schilden seiner Waffengenossen getragen zu werden über eine Legion Erschlagener. Und dann" - das Haupt sank ihr auf die Brust - " dann wird er den Göttern danken, daß man ihn nicht mit Hunden aufjagt vom Stroh, auf dem er seinen letzten Atemzug tut, und keine Hand wird ihm die Totenopfer bereitstellen."

Hoch aufgerichtet, mit angehaltenem Atem starrte der Priester auf sie. Nur die Dochte der Lampen knisterten leise in dem dunkeln Gewölbe. Plötzlich fuhr sie mit der Hand über die Stirne, als wollte sie die Gedanken wegwischen und sagte: "Aber was erzähle ich dir da! Es ist besser, daß du mir sagst, was ihr am Himmel gelesen habt."

Nun begann er mit tiefer fester Stimme: "Weleda, du weißt so genau wie wir, daß Civilis ein Ende auf Stroh nehmen wird. Wir haben in den letzten Nächten sein Geschick berechnet. Schatten wird über ihm liegen, der noch einmal einem herrlichen Lichte weicht. Aber der Sieg wird ihm gehören nur für einen Mord. Noch sehe ich nicht völlig klar, aber ich glaube, daß er dann mit den Stämmen ins Unglück geht, ohne zu wissen, ob je einer von allen sich wieder erhebt." Da richtete sich die Greisin auf in ihren Kissen und sah ihn aus strahlenden Augen an. "Nein, Kloisar! Du irrst! Das wird nie sein! Ich habe die Unsern gesehen in vielen Gesichten, wie sie über die Rutenbündel der Römer ritten, daß sie unter den Hufen der Rosse zerbrachen. Ich habe die Unsern gesehen, wie sie Brandopfer schichteten aus den zerstampften Rutenbündeln und Steinmäler darüber errichteten. Nie wird der Cäsar Herr werden über unser Blut. Rom ist nicht das Schrecklichste von allen. — Aber der Schlächter wird aufsteigen von Sonnenuntergang her, er, der die Götter bannt, der die Sternsteine spaltet und in unserem Blute watet bis unter die Achseln. Aber die Ungeheuer ist Blut von unserem Blut, ein Abtrünniger, der Sohn der Hel."

In diesem Augenblick fuhr der Priester auf, und schwer atmend sagte er zu ihr: "Du hast richtig gesehn. Auch wir haben es gelesen. So will ich dir denn auch sagen, wann dies geschehen wird. Der Schlächter kommt, wenn Ostara nicht mehr auf dem Pfade fährt, der ihr gebaut ist *23). Das ist das Ende, und keiner nach uns wird ihr einen neuen Weg bereiten".

Die Seherin nickte ihm flüsternd zu: "Dies eine wollte ich wissen. Hab Dank, daß du es mir bestätigt hast. Du weißt, alle anderen Dinge sind klein gegen dies Eine. Klein ist alles, was jetzt geschehen wird. — Und dennoch — allen Stämmen werde ich es künden, daß ihr Blut nicht untergeht, so lange noch einer Balders Rune eingehauen hat über seiner Tür*24). , solange noch eine Flamme aufloht an Sonnwend."

Bei den letzten Worten, die nur noch wie ein kaum vernehmbarer Hauch von ihren Lippen sickerten, sank sie mit einem seltsam verklärten Lächeln völlig in sich zusammen. Regungslos war der Priester vor ihr sitzen geblieben, — schon wollte er sich erheben, um lautlos den Raum zu verlassen, da kam wieder Leben in ihre Gestalt. "Höre!" sagte sie bestimmter und klar, "ich werde, wie ich es versprach, heute nacht zu den Sternsteinen hinüberkommen. Noch einmal will ich mit euch in der heiligen Kammer den Segen der himmelslichter grüßen. Du aber sage dem Fürsten, was ich dir anvertraut habe. Leb wohl!" —

Als die drei Schimmelreiter aus dem Hof ritten, war das letzte Abendrot am Himmel verglommen. Die Sterne funkelten über den tauigen Wiesen. In Busch und Hag zirpten die Grillen. Von Ferne aber klangen die langgedehnten Rufe der Luren *25) durch die Nacht und riefen zum Beginn der Opferungen.

Um die gleiche Zeit zog der Bernsteinhändler mit Knechten und Pferden auf die Sternsteine zu. Sie hatten sich verspätet mit all dem Geplauder über die vielen neuen Ereignisse. Da nun der Braune flott durchaustrabte und vom Lahmen nichts mehr zu bemerken war, hatte der Herr beschlossen, in der sternenhellen kühlen Nacht noch ein gut Stück Wegs weiterzureisen. Zudem trafen sie jetzt bereits auf vereinzelte Gruppen von Teilnehmern am großen Feste, die vorüberzogen oder sich gelagert hatten.

Je mehr sie sich der heiligen Flur näherten, desto hügeliger wurde das Gelände. Uralte moosbehängte Tannen schoben sich an den Saumpfad heran. Ab und zu kamen sie auch an einer riesigen Eiche vorüber, aus deren Geäst bleiche Pferdeschädel im Mondlicht glänzten. Jäh begann sich nun der Weg zwischen Felsen und Waldlichtungen hindurchzukrümmen.

Da war's mit einem Male, als lohnte hinter den Steinblöcken Feuerschein hoch, das Geräusch von Stimmen drang ihnen entgegen, und ehe sie sich's versahen, bog um die Ecke ein Zug von vielen Frauen in weißen Gewändern, Fackeln in den Händen; sie führten ein Gespann von Schimmeln, die einen herrlichen geschnitzten Wagen zogen. Die Vordersten schrien ihm zu: "Aus dem Wege! Aus dem Wege!" Die bedien Packpferde aber scheuten, bäumten sich hoch auf und rissen die Knechte mit sich seitlich in die Büsche. Ehe der Herr sich's versah, hatte ihm die Führerin des Zuges ihre Fackel über den Schädel geschlagen, die nächsten rissen ihm die Lederkappe vom Kopf, zugleich fühlte er sich von den Fäusten der Frauen gepackt wie mit ehernen Klammern und auf die Knie geworfen *26). Aber in diesem Augenblick griff eine wächserne Hand aus dem Innern des Wagens, schlug den Vorhang zurück, und eine eisige Stimme befahl: "Laßt ihn! Er soll aufstehn! — "

Ehe er sich gefaßt und Worte gefunden hatte, fielen die Vorhänge zu, und der gespenstige Zug setzte sich in Bewegung. Als er nach einigem Rufen Pferde und Knechte wieder gefunden hatte, war der Fackelschein im Walde verschwunden.

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In der folgenden Nacht flammten, soweit man sehen konnte, überall riesige Sonnwendfeuer auf.

Zwei Tage später waren die Verträge mit Köln unterzeichnet, so wie Weleda und der Fürst Civilis es bestimmt hatten.

Ja, das unerhörte war geschehen, daß die Kölner sogar mit zu den gemeinschaftlichen Wettspielen in die Kampfbahn getreten waren und sich einen der Siegeskränze holten.

Am Rhein aber übernahm um diese Zeit ein neuer Befehlshaber, Cerealis, die römischen Truppen.

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In den kommenden sieben Jahren traf ein Ereignis nach dem andern ein, genau so, wie die greise Seherin es vorhergesagt hatte. Mit wechselndem Kriegsglück gelang es Fürsten Civilis, die römischen Truppen in Atem zu halten. Aber allgemach begann die Zahl seiner Gefolgsleute zu schmelzen und sein Widerstand zu erlahmen. Gegen Ende des siebten Jahres hatten sich fast alle Stämme zurückgezogen, so daß Civilis sich nur noch auf eine kleine Schar getreuer Brukterer stützten konnte, Cerealis aber den Zeitpunkt für gegeben erachtete zu einem vernichtenden Schlage gegen Germanien.

In diesen Tagen ritt Civilis bedrückt zu Weleda, um sich Rat zu holen. Aber die Seherin ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen. "Was willst du hier?" herrschte sie ihn an, "warum bist du nicht bei deinen Leuten? Noch hast du Fäuste genug, mehr als du brauchst! Ich habe dir gesagt, daß du sie schlagen wirst bis auf den letzten Mann. Wenn das aber geschehen ist, dann reit um dein Leben!" Als Civilis zögerte und noch etwas fragen wollte, schrie sie ihn an: "Geh, was stehst du noch hier! Schlimm genug, daß man dich eingelassen hat!"

Damals raffte Civilis den Rest seiner Leute zusammen, überfiel die Römer zu völlig unerwarteter Zeit und schlug sie vernichtend. Noch während der Verfolgung stießen abgefallene Stämme wiederum zu ihm. Bald darauf gelang es ihm sogar, mit einem tollkühnen Handstreich sämtliche römischen Schiffe auf dem Rhein zu nehmen und zu versenken. Lediglich die Admiralstriere schonten sie. Sie zogen das Prunkschiff die Lippe aufwärts und stellten es als Weihegeschenk für Weleda im Westhof ihrer Burg auf.

Weleda nahm kaum Kenntnis davon.

Dann ritten die Stämme siegestrunken heim in ihre Gebiete, um bei Bier und Met Feste zu feiern.

Cerealis aber benutzte die Pause, um große Verstärkungen aus den oberrheinischen Garnisonen zusammenzuziehen und neugestärkt zum Vormarsch gegen Civilis überzugehen, der diesen nun unvorbereitet traf, so schwer traf, daß der Fürst in Nacht und Nebel fliehen mußte, verlassen von jedermann.

Aber Cerealis tat noch mehr. In einem tollkühnen Gewaltmarsch stieß er auf Umwegen vom Rhein her bis in die heilige Flur vor, umzingelte des Nachts die Burg der Seherin. Die Römer fanden die Tore unversperrt, alle Gebäude verlassen, keine Knechte, keine Burgmaiden, die greise Seherin in dem für Laien verbotenen Gewölbe neben ihrer Magd, in den weißen Wollmantel gehüllt, beschuht, den Raum leer von goldenen Geräten.

Vor der hohen Gestalt der fast hundertjährigen wichen die Legionäre zurück, um ihr den Weg zu den Pferden freizugeben. Keiner wagte, Hand an sie zu legen und sie zu fesseln.

Als Weleda nach einem wildem Rückmarsch einige Tage später im Lager des römischen Befehlshabers angelangt war, schritt sie unangemeldet in sein Zelt, wies alle Zeugen hinaus, die willenlos gehorchten. Niemand hat je erfahren, was zwischen Weleda und Cerealis vorging. Da der Römer nach dieser denkwürdigen Begegnung den gefangenen Aufständischen gegenüber Milde walten ließ, verbreitete man römischerseits das Gerücht, er habe sich von den Bitten der Seherin rühren lassen. Sie selbst wurde noch am gleichen Tage nach Trier überführt unter starker Bedeckung, um einem Befehl des Kaisers Vespasian gemäß die Reise nach Rom anzutreten. Einige Tage vor dem Abmarsch überbrachte ein Bote Cerealis eine Kassette mit wundervollen Bernsteinen von einem reichen Trierer Bürger mit der Bitte, der heiligen Frau eine Prunksänfte zur Verfügung stellen zu dürfen für die Reise.

So trugen denn die beiden alten Packpferde des Bernsteinhändlers die kostbarste aller Lasten, die Seele Germaniens, der unersättlichen Riesenststadt am Tiber zu.

Vor ihr her aber lief die Kunde, daß vor dieser Frau die Künftigen Geschicke der Menschen und Völker ausgebreitet lägen wie eine Schriftrolle, aus der die Gelehrten ablesen. Tacitius und andere Römische Schriftsteller haben sie am Hofe des Kaisers wo sie ein Weltwunder als lebende Göttin begafft wurde, noch gesehen. Sie lebte in Rom nur eine kurze Zeit

Eines Morgens lag sie tot auf ihrem Lager, ihre beiden Hände auf der Brust um die heilige Doppelart verkrampft, daß man sie nicht zu lösen vermochte. In ihrer Zaubertasche fand man ein bißchen Erde und dürres Moos, sonst nichts.

Germanische Söldner der kaiserlichen Leibwache trugen die Tote gegen Abend zwischen Tausenden Neugierigen die Via Appia hinaus zum Scheiterhaufen. Schon um Mittag lag bleierne Hitze über der Stadt. Nun hatten sich blauschwarze Wolken mit schwefelgelben Rändern rundum am Horizont zusammengeballt. Als die Flammen zwischen den Holzscheiten hochzuzüngeln begannen, fuhren die ersten Windstöße die staubige Straße entlang und trieben die Gaffer wie Spreu vor sich her nach den nächsten Hütten und in die Stadt zurück. Dann brach ein Gewittersturm los, daß die Zypressen splitterten, Pinien entwurzelt wurden.

Unter Blitz und Hagel fegten die Regenschauer über Felder und Gärten. Eine Nacht und einen Tag dröhnte der Donner über Rom. Als sich das Unwetter verzogen hatte, war der Leichnam der Weleda verschwunden.

In den Bädern aber und auf dem Forum erzählten sich die Schwätzer noch viele Jahre nachher, der Sturmgott der Germanen habe damals seine große Dienerin heimgeholt ins Land der dunklen Wälder

Als einige Jahrhunderte später das Sternbild des heiligen Wagens der Ostara seinen Platz am Himmel so weit verändert hatte, daß es die Visierlinie der Beobachtungsmauer auf der Oesterholzsternwarte nicht mehr berührte, da brach der Westfrankenkönig Karl in Deutschland ein , "Karl der Große".

Dies war das Ende.                                                      .

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Quelle: Im Reich der Runen, Geheime Mächte, Austria Zigarettenfabrik, München von rado jadu 2002


1) Marken sind die breiten Gürtel unbewohnten neutralen Landes zwischen den Wohngebieten der einzelnen germanischen Stämme. Sie dienten als Weideland, durch sie führten die Saumpfade und Heerstraßen, in ihnen befanden sich die großen Heiligtümer, Gräberfelder, Kampf- und Rennbahnen für die feierlichen Wettspiele der umwohnenden Stämme (so wie bei den Griechen in Olympia).
2) Bernstein, griechisch Elektron, lat. Sucinum.
3) Orwarsund, die Gegend um Stralsund.
4) Gewandfibeln, große Sicherheitsnadeln zum Befestigen der Kleider
5) große Mode unter Kaiser Vespasian.
6) Bei den Germanen gab es heilige, immerwährende Feuer gleich dem von den Vestalinnen gehüteten heiligen Feuer in Rom.
7) Ein schwerer Jagdspeer, besonders für Wildschweinjagd
8) Sennertrift, Naturgestüt zu Züchtung der heiligen Rosse, einer heute noch existierenden edlen deutschen Pferderasse. Tacitus berichtet in seiner Germania (10): "Eine Eigentümlichkeit der Germanen ist die Weissagung und Warnung durch das Pferd. In den heiligen Hainen und Wäldern werden auf Gemeindekosten weiße Pferde gezüchtet, welche durch keine irdische Arbeit entweiht sind. Diese, vor den heiligen Wagen gespannt, begleitet der Seher mit dem Fürsten oder dem Vorsteher der Gemeinde und beobachtet das Wiehern und Schnauben der Tiere. Kein Vorzeichen wird für so zuverlässig angesehen, nicht nur beim Volk, sondern auch bei den Fürsten und Sehern. Letztere betrachten sich nur als Diener, jene Pferde aber als Vertraute der Götter."
9) Köln war die Hauptstadt Niedergermaniens, aber auch mit einer römischen Garnison belegt.
10) ein germanischer Stamm in der Umgebung von Köln am Niederrhein.
11) Treverer, die Be- und Umwohner von Trier, ein westgermanischer Stamm an der Mosel.
12) Weleda, eine Jungfrau aus dem Fürstengeschlecht der Brukterer. Sie hatte die Gabe des zweiten Gesichts, war sternkundig, Hüterin uralten Geheimwissens und wohl die berühmteste germanische Seherin.
13) Kampfspiele waren bei den Germanen ein wesentlicher Bestandteil der großen Feste. Heute sind uns wiederum einige Kampfbahnen bekannt, so die prächtige Anlage in Langelan bei der Sennertrift, auf welcher Pferderennen, Wettläufe, Waffentänze und der berühmte Königssprung über mehrere lebende Pferde stattfanden zu Ehren der Götter und Ahnen.
14) Turm der Weleda; die Seherinnen, meist aus fürstlichem Geschlechte, wohnten streng abgesondert von der Außenwelt in Türmen, welche von mehreren Höfen umgeben waren. Dort unterrichteten sie die jüngeren "Burgmaiden" in der Kunde der Pflanzen und deren heilkräftigen Wirkungen, in der Wahrsagetechniken, den Göttermythen und dem Sternwissen.
15) Wotan, der Sturmgott, war vor allem der Gott der Zauberkräfte und der magischen Geheimnisse, zugleich der Anführer der Toten und der Ahnengeister (wie Hermes–Merkur bei Griechen und Römern).
16) Vergleiche Band 2.*
17) Siehe Band 2 unter Skarabäen.*
18) Runen werden, siehe Band 2*
19) Sternwarte in Oesterholz. (Lit. Wilh.Tendt, Germanische Heiligtümer.) Die Visiermauern sind von zwei Astronomen der Sternwarte Berlin-Dahlem vermessen. Die Ergebnisse haben den Beweis erbracht, daß die Anlagen aus dem Jahre 1850 vor Christi Geburt stammen. Da die Anlage eines solchen Observatoriums aber nur aus gesicherten Ergebnissen einer unendlich langen Reihe feiner Beobachtungen erstehen kann, so bedeutet das das sinnfällige Zusammenfassen des vorhandenen Wissens und somit das Ende einer vielleicht vielhundertjährigen astrologischen Entwicklung, die vor dem Jahre 1850 vor Christi Geburt liegt.
20) Fenriswolf, Ungeheuer in der Mythologie der Germanen, das bei Weltuntergang alles Bestehende verschlingt, also Symbol des Untergangs.
21) Kloisar oder Kloisi (späte Form der Edda und Sagas) ist ein Priester - und Sehername.
22) Im Kopfe des höchsten der Externsteine befindet sich ein ehedem geschlossener, von Karl dem Großen gesprengter Kapellenraum, in welchem die Visierinstrumente aufgestellt waren zur Bestimmung der Mond - und Sonnenpunkte am Horizont. Aus diesem Allerheiligsten führte vor seiner Zerstörung eine in den Felsen gehauene Treppe auf das oberste Dach hinauf, damit von dort aus durch Flammenzeichen und Hörnerrufe der Eintritt der Ereignisse (z.B. Sommersonnenwende) weithin bekanntgegeben werden konnte.
23) D.h. wenn die Verschiebung (Präzession) des Sternes Sirius = Stern der Himmelsmutter Ostara, so weit gediehen ist, daß sich sein Ausgangspunkt nicht mehr innerhalb der Visiermauer befindet. Das traf ungefähr fürs Ende des 8. Jahrhunderts nach Christi Geburt zu.
24) Die Figuren der Segensrunen finden sich in den Fachwerksbauten Niedersachsens und den Holzhäusern Altbayerns häufig im Gebälk dargestellt durch mancherlei kunstreiche Verzapfungen, deren Beherrschung bis vor kurzem noch zu den wesentlichen Kenntnissen eines tüchtigen Zimmermanns gehörte.
25) Altgermanische Hörner aus Bronze mit einem herrlichem weithin tragenden Tone. In Kopenhagen befinden sich Luren, die heute noch bei besonderen feierlichen Anlässen geblasen werden.
26) Im semnonischen Gebiet (Pommern) wagte außer den Priestern und Fürsten niemand, den heiligen Wagen der Göttin Ostarn zu sehen, da man sonst dem Tode verfallen war. Der Schrecken des Bernsteinhändlers rührt daher, daß er ja nicht wissen konnte, daß hier die Hohenpriesterin zu den Sternsteinen geleitet wurde.

*Info: Der 2. Band ist nie erschienen!

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