AbsolutismusGeneralbasszeit 1580 bis 1750

Es ist das Zeitalter prunkvoller Musikentfaltung, ob an den großen zentralen Höfen (Feste, Bankette, Opernaufführungen) oder der katholischen Kirche (Operntheater in Rom, Festmessen, geistliche Spiele). Aber auch in den Städten, vor allem in den protestantischen, entwickelt sich ein bescheidenes öffentliches bürgerliches Musikleben (Abendmusiken in den Kirchen, Collegia musica, Opernhäuser in Hamburg, Leipzig, Konzertsäle). Spielleute werden in den Städten seßhaft und ehrbar, begründen bürgerliche Musikerdynastien. Größerer Bedarf an Musikern - Adlige lassen Leibeigene zu Musikern ausbilden, bilden Kapellen (Dienstverhältnis noch zu Mozarts Zeit üblich.)
Die Monodie entwickelt neue Formen, wird gesellschaftsfähig und löst endlich die Polyphonie als beherrschenden Musikstil ab. In der katholischen Kirche und auch z.T. in der protestantischen Musik wird die Polyphonie aber gepflegt und weiterentwickelt – Fuge – und erfährt durch die reicheren Giederungsmöglichkeiten der Temperatur (Stimmung) einen Höhepunkt (Bach).
Entwickelt wird der neue Stil in Norditalien, römische, venezianische und florentiner Schule (Camerata) begründen neue Formen (Oper, Oratorium, Kantate, Instrumentalmusik). Schnell breitet sich der gefällige Stil an den Höfen Europas aus. Auch die kleinstaatlichen Höfe Deutschlands wollen den Pomp des Absolutismus, vor allem die protestantischen Fürsten schicken ihre Kantoren zum Studium nach Italien. Die protestantische Kirche übernimmt z.T. den neuen Stil. Hofmusik und Liturgie befruchten einander - das Barock entsteht. Der dreißigjährige Krieg unterbricht die Entwicklung in Deutschland, es findet erst im 18. Jahrhundert wieder Anschluß an die europäische Musikentwicklung, erlebt aber – vielleicht dadurch – einen besonderen Höhepunkt im deutschen Hochbarock (Bach, Händel, Telemann). Mitte des 18. Jahrhunderts löst ein neuer Stil, der zur Klassik führt, die Barockmusik ab.

Das Bach-Haus zu Eisenach (oben). Johann Sebastian Bach, Menuett aus dem
"Clavier-Büchlein vor Anna Magdalena Bachin", 1722

Die Monodie zeichnet aus:
1. Einer im Diskant liegenden Melodiestimme sind andere begleitende Stimmen oder Akkorde zugeordnet (vorher schon in der mehrstimmigen Volksmusik, mehrstimmigen Improvisation - Faxbourdon - und in Formen wie der Frottola). Einbeziehung der uralten Kunst des rezitativen Sprechgesangs , in Bezug auf den Affektgehalt der Worte und in harmonischer Hinsicht modernisiert.
2. Die mittelalterlichen Kirchentöne wurden endgültig durch das nach vielen Seiten hin ausbaufähige Dur-Moll-System abgelöst, was die Einführung des Generalbasses möglich machte.
3. Auch die Rhythmik von Volkstanz und -lied und deren metrische Symmetrie drangen nach dem Vorgang von Frottola und Villanella, Gastoldis Balletti u.a. in Suite, Sonata, Aria ein.
4. Volksmusikhafte Themen bestimmen z.B. die Sonatas, aber auch die Fuge. Das Prinzip der Variation erfährt neue Anwendung. Variationsketten über einem Thema werden selbständige Werkteile (Klaviristen).
Folgende Techniken und Formen geben dem neuen Stil ihr Gepräge:
1. Rezitativ, ein in Oper, Kantate und Oratorium die Handlung in Form von Monologen, Dialogen und Berichten tragender Sprechgesang, meist von Akkorden unterstützt.
2. Lied, meist schlichte individuell geprägte Melodielinie, improvisierte Ornamentik wird mehr und mehr durch Notentext fixierte Tonfolge abgelöst. Themen Trink-, Scherzlied, Liebes-, Natur- und religiöse Lyrik. In der Oper ist das Lied immer weniger im Einsatz, dafür Sammlungen für den Hausgebrauch.
3. Aria, kunstvolles Melodisieren, Themenfortspinnung, Motivation, Charakterisierung durch Instrumente (Trompeten für Helden). Da-Capo-Form (Improvisation des Sängers in der Wiederholung). Hauptform in Oper und Oratorium. Die Schöpferkraft ganzer Generationen von Komponisten war darauf gerichtet,der Aria jeweils scharf umrissenen, bewegenden Ausdruck zu verleihen und hauptsächlich durch sie Individuen zu charakterisieren, seien es Figuren der antiken Mythologie, idealisierte Fürsten oder Gestalten, denen Allgmeingültigkeit zukam.

Größere Formen waren die Opera seria, das volkstümliche Singspiel, später die Opera buffa, die Kantate und das Oratorium und dessen Sonderform, die Passion, sowie die instrumentalen Stücke, die entweder als Teil dieser vokalen Formen, zum Teil aber auch unabhängig von ihnen komponiert wurden (Ritournelle, Einleitungen, Tänze). Die Ouvertüre für verschiedene Besetzungen diente nicht nur der Oper, sondern auch der Suite und dem Ballett als Einleitung. Der überlieferte Brauch des Wechsels von langsamen geradtaktigen und schnelleren ungeradtaktigem Nachtanz führte zur Suite, virtuos konzertierende Elemente zur selbständigen Form des Concerto grossos (konzentrierte Instrumente gegen Tutti) und des Solokonzerts. Kanzone, Ouvertüre, Suite, Konzert lieferten schließlich ihren Beitrag zur Sonata als sonata da chiesa oder sonata da camera.


Fuge

aus Frühformen der Renaissance um 1580 herausgebildet (Gabrielis Ricercare), eine besondere Form der motivischen und thematischen Durchführung im polyphonen Satz. Diese Themendurchführung nacheinander in den einzelnen Stimmen (nach festen Regeln), beantworten die anderen Stimmen, indem sie kontrapunktieren

Opera seria

Hofoper. Ihre endgültige Form erhielt sie im 18. Jahrhundert von Neapel aus (Pietro Alessandro Scarlatti). Sie gliedert sich in Rezitativo secco (Generalbaßbegleitung) und Rezitatitativo accompagnato (vom Orchester begleitet) und Arien. Diese spiegeln die seelischen Zustände oder Betrachtungen der handelnden Personen. Die Arie hat die Da-Capo-Form (ABA), dessen Schlußteil der Solist mit ihm genehmen Verzierungen ausstatten kann. Eine kleinere Arienform ist die liedhafte Kavatine, Ensembles nur bis zum Duett. Overtüre durch Sinfonia (Allegro-Andante-Allegro). Themen klassische französische Tragödien (Heldenstücke).
Kastrasten und Virtuosen spielen eine bestimmende Rolle.
Meister sind: F. Provenzale, A.Stradella, L. Vinci, N. Popora,G.B. Pergolesi, auch G.F.Händel.
Mitte des 18. Jahrhunderts setzt eine Reformbestrebung ein (Chor und Tanz, Ensembles), die schließlich zur Herausbildung der großen bürgerlichen Oper führt.
Meister dieses Übergangs sind J.A. Hasse, N. Jommelli, T. Traetta, F. Majo, nicht zuletzt Chr. W. Gluck

Kantate

lyrisch-dramatische, vokal-instrumentale Gattung (Solorezitative und Arien, Chöre, Instrumentalbegleitung und Stücke), Umfang und Besetzung sind sehr unterschiedlich, Grundton lyrisch-stimmungsvoll. Vokales Gegenstück zur Triosonate. Italienische Formen sind die römische Solokantate und die neapolitanische Normalkantate mit Basso continuo. In der deutschen Kirchenkantate waren geistliche Texte Grundlage. Sie ist vielgliedrig und vereint Prosa- und Liedformen. Später Rezitative, Da-Capo-Arie und Chorsätze einbezogen. Bachs Kantaten beginnen mit einer Chorfuge oder einem Konzertsatz, enden mit einem Kirchenlied (Höhepunkt der Kantatenkomposition)

zurück

Oratorium

ein ursprünglich dem kirchlichen Bereich zugehöriges, später auch weltliche Inhalte erfassendes mehrteiliges Musikwerk für Soli, Chor und Orchester, das mit seinem Textinhalt stark auf allgemeine Betrachtungen und ethische Wirkungen zielt, sich in seiner Handlung häufig dramatischer Mittel bedient, aber auf szenische Wiedergabe in der Regel verzichtet. Bis ins 18. Jahrhundert 2teilig. Ein testi (Solist) teilt die historische Erzählung mit (historia), monodische Dialoge und Chöre ergänzen. Mit der Aufnahme der Da-Capo-Arie Übergang zur neapolitanischen Oratoriumsschule. Betonung von Arie und Rezitativ auf Kosten der Chöre (nur noch am Schluß der Teile), nun auch dreiteilig und mit szenischen Abschnitten. Musikalische Hauptformen (Bravourarie, Marsch, Rondo) entsprechen der Oper.
Im deutschen Norden entwickelt sich das Oratorium als geistliche Erbauung nach dem Gottesdienst mit dramatischen und Secco-Rezitativ, Arie, Duett, Lied und Choral (Schütz, Buxtehude). Seinen Höhepunkt findet es unter Händel, wo es sich mehr und mehr, und unter Haydn, wo es sich vollständig von geistlichen Themen abwendet

Passion

Geschichte des Leidensweges Christi. Neben der Vollendung der Choral-Passion (Walther, Vulpis, Schütz) entwickelt sich im 17. Jh. die oratorische Passion. Wie beim Oratorium monodisches Rezitativ und Arie, Generalbaß- und Instrumentalbegleitung. In der katholischen Kirche anfangs selten (Scarlatti), da in der Karwoche in der Kirche keine Instrumente gespielt werden durften, in Deutschland aber stark gepflegt. Das Passions-Oratorium entsprach der vollen Oratoriumsform (Solo, Duette, Choräle, Instrumental-Stücke). Der schwülstige Text H. Brockes (4 Evagelisten und freie Lyrik) wurde von mehr als 20 Komponisten vertont (Keiser, Händel, Telemann), unter Verwendung von Textteilen schuf Bach die Gipfelwerke der Gattung (formal eine Kette von Kantaten)

Ouvertüre

instrumentales Einleitungsstück zu größeren, meist zyklischen Musikwerken (Oper, Oratorium, Ballette, Schauspiele), aber auch selbständige Musikform. Aus dem zweiteiligen französischen Ballett-Entree entwickelte Lully die dreiteilige französische Ouvertüre, die bald zur Konzert-Ouvertüre wurde. Daneben existierte noch eine ähnliche venezianische und eine verschiedene neapolitanische Form. Die pathetische frz. Ouvertüre verdrängte bald die liedhafte einleitende Sinfonia und wurde zum ersten Satz der Orchestersuite

zurück

Suite

ital. Partita, eine Folge lose verbundener, in sich geschlossener (daher häufig auch vereinzelt aufführbarer), in der Regel zweisätziger Musikstücke ("Tänze"), entwickelt aus aus der mittelalterlichen Tanzkombination Pavane–Galliarde (Schreittanz–Springtanz). Anfangs 17. Jh. brachten verschiedene Komponisten weitere Tänze ein: Allemande, Courante. Schließlich verschwinden Pavane und Galliarde, dafür werden Sarabande und Gigue verwendet (Frohberger). Ein nichttänzerischer Satz wird vorangestellt (Sinfonia, Präludium, Ouvertüre). Entwicklung der französischen Orchestersuite durch Lully (lose Aneinanderfolge seiner Ballettänze und anderer Musikstücke mit vorangestellter Ouvertüre), vervollkommnet durch Couperin. Wahlweiser Einschub von verschiedenen Tänzen (vor Gigue oder Sarabande), u.a. Polonaise, Air, Menuett. Die verschiedenen Einflüsse Italiens, Frankreichs, Englands wie Deutschlands vereinigten sich in den Suiten Bachs, wurden zu einem ganz persönlichen Stil umgeschmolzen und durch ihn die Gattung zu einem letzten Höhepunkt geführt

zurück

Concerto grosso

ein Orchesterwerk mit charakteristischem Gegensatz und Wechselspiel zwischen vollem Orchester (Tutti) und einer Solistengruppe (Concertino). Bei Meistern des Concerto grosso (Stradella, Vivaldi, Corelli, Torelli, Händel, Bach) wird über den Kontrast der Besetzungsgruppen hinaus der Wechsel zwischen homophon langsamen und fugiert schnellen Sätzen oder Satzteilen bevorzugt. Schulbildend waren Vivaldi (Concertino, Violine) und Corelli (2 Violinen und Violoncello). Bach knüpfte an Vivaldi an

zurück

Sonata

aus der Flickkanzone der Frühzeit (Gabrieli) entwickelten sich in der Mitte des 17. Jh. schließlich – in den Sätzen tonartgleich – die dreisätzige Sonata da camera und die viersätzige Sonata da chiesa (die Kirchensonate). Satzfolge: Sonata da camera schnell-langsam-schnell mit Suitecharakter, Sonata da chiesa langsam-schnell-langsam-schnell mit polyphonen Teilen, daneben noch eine Form langsam-schnell-sehr schnell. Besetzung als Triosonate: 2 Melodieinstrumente (z.B. Violinen), Violoncello und Generalbaß oder als Solosonaten (Violine, Cembalo). Die Tonartgleichheit der Sätze wurde bald durch Quint- und andere Beziehungen zwischen den Sätzen ersetzt

zurück

Generalbass

ital. basso continuo, die Akkord-"Stenographie", deren sich der monodische Stil des 17. und bis in die erste Hälfte des 18. Jh. bediente. Organist oder Cembalist ergänzten eine vorhandene Fundamentalstimme (der Generalbass) an Hand angegebener Ziffern zu begleitenden Akkorden. Damit wird der klangliche Terzenaufbau historisch als grundlegend anerkannt.Dem Generalbass-Spieler fiel die Aufgabe zu, fehlende Mittelstimmen, die ihre linearstimmige Bedeutung ohnehin verloren hatten, wenigstens in ihrer harmonischen Bedeutung zu ersetzen.



© Copyright 2001 by JADU von roger

www.jadu.de

 

Webmaster