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Polyphonie und Einstimmigkeit

Auch auf der Seite: Der Gregorianische Choral   Sequenzen und Tropen

Frühes Mittelalter — die Gesänge waren einstimmig oder in einfachen Intervallparallelen geführt. Aus dem Kernbestand der geistlichen (Gregorianischer Choral) und weltlichen Monodie (nicht erhalten) entwickelten sich die Marienlyrik als geistliche Volksmusik, die Vagantenlyrik sowie der französische und deutsche Minnesang, als deren Nachfolger der Meistersang gelten kann. Im Normalfall waren die Lieder einstimmig (es sind aber auch mehrstimmige Gesänge erhalten), die Minnelieder wurden meist durch eine Fidel , Harfe oder Rotta begleitet.
In den Klöstern wurden neben den einstimmigen Versuchen, die Melodien des Gregorianischen Chorals auszuschmücken, auch erste mehrstimmige "Sätze" gesungen und notiert, Anfänge, die im Laufe eines halben Jahrtausends zu den filigranen hochkünstlerischen Werken eines Orlando di Lasso führten. Die einstimmige Barform (Meistersang) wurde im 16. Jh. durch mehrstimmige italienische Weisen abgelöst, erst mit dem Barock begann die Monodie (Rezitative, Arien) wieder eine größere Rolle zu spielen.


Der Gregorianische Choral

Gregorianischer oder römischer Choral: Sammelbegriff für die einstimmige, instrumentenfreie, weitestgehend diatonisierte und nach den sogenannten Kirchentonarten modal ausgerichtete musikalische Einkleidung der lateinsprachigen liturgischen Texte der abendländischen katholischen Liturgien* (Stäblein)
– der Legende nach von Papst Gregor I., dem Großen, geregelter Ritualgesang der katholischen Kirche (gegenüber dem vorangegangenen ambrosianischen Gesang), etwa 3000 Gesänge. Der von Gregor gegründeten Schola cantorum (Sängerschule) folgten bald Töchterschulen in England, Irland, Allemanien und Frankenland (Rouen und vor allem Metz). Von hier Verbreitung der gregorianischen Gesänge in den Klöstern. Pflege der Gesänge durch Klöster und Hauptkirchen (Dome). Gründung einer Gesangsschule durch Karl den Großen an der Aachener Pfalzschule. Hier wurden auch lateinische Dichtungen vertont (frühe weltliche Anfänge durch karolingische Renaissance).
Zur Liturgie gehören die Messe (als Opferhandlung) mit den bald feststehenden Teilen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus (Ordinarium missae) und den zeitlich wechselnden Teilen Introidus, Graduale, Halleluja (bzw. Tractus), Offertorium, Communio (de tempore – dazu zählen auch die wenigen beibehaltenen Sequenzen), und die Stundenoffizien (vor allem rezitativische Psalmen).
– durch die Karolinger im ganzen Frankenreich eingeführt, Erweiterung der Gesänge durch Melismen, der biblischen Texte durch poetische Hymnen, Tropen und Sequenzen; im ausgehenden Mittelalter mehr und mehr durch polyphone Musik ersetzt, Festlegung der liturgischen Formen weitgehend ohne Gregorianischen Choral im Graduale Romanum (1514) und im Einheitsmissale des Papstes Pius V.(1570)
– Diese einstimmigen liturgischen Gesänge (Solo des Priesters und Chors) bilden heute wieder die Grundlage der katholischen Liturgie (Restauration des Gregorianischen Chorals durch Pius X. 1903 und in der Editio Vaticana 1908)
* weitere Liturgien: Ostkirche (griechisch, byzantinisch, slawisch)

Gregor der Große (590-604) , ein Mann von hoher Bildung und mit einem umfassenden musikalischen Wissen begabt, wird als der Vater der Sakralmusik betrachtet. Er gab dem gregorianischen Gesang seinen Namen, begründete die erwähnte Schola cantorum, deren beide Chöre bis 1378 bestanden, bevor sie von Gregor XI. (1370-1378) abgeschafft wurden. Sie hatten die Aufgabe, die im Lateran und in St. Peter zelebrierten Liturgien musikalisch zu begleiten.Er besaß durch seine Schriften tiefen Einfluß auf das ganze Mittelalter. Bedeutsam ist seine Stellung auch in der Liturgiegeschichte durch seine Reform der Messe.

Die Weiterentwicklung des Gregorianischen Chorals
• Ordinarium missae: die einstimmigen kunstvollen Ausschmückungen (Facierungen) Sequenzen und Tropen, neue Mess-Sätze und Messen,
– Verfasser von Tonarien (Verzeichnis der Anfänge der Gesänge): Abt Regino (Trier, gest. 915), Odo von Cluny (gest. 942), auch Schöpfer der lateinischen Buchstabentonschrift (Ton "a")
– Komposition von Sequenzen Mönch Notker Balbulus (St. Gallen, 830-912) und Tropen Mönch Tutilo (gest. 915)
• de tempore: mehrstimmige Gradualien (Organum, Triplum, Quadruplum), Motetten (siehe Musik des Mittelalters)
– bedeutend für Komposition und Theorie: Benediktinermönch Hucbald (840-930), Guido von Arezzo (ca. 995-1050, Neumenschrift
• Horae (Stundenoffizien): sehr früh Komplettierung des Psalters durch ambrosianische Hymnen und Cantica
• Hildegard von Bingen (1098-1179), Abtissin der Benediktinerinnen, komponierte und dichtete, verfaßte eine Reihe geistlicher Werke, wie etwa ein Kyrie, Antiphonen, Responsorien sowie Hymnen und Sequenzen


Sequenz und Tropus

Die kirchliche einstimmige Musik erlebte in der Zeit der sächsischen und salischen Kaiser eine Blüte in Sequenz und Tropus. Notker Balbulus in St. Gallen (gest. 912) unterlegte den ausgedehnten, orientalischer Gesangsübung entsprechenden Tonschnörkeln des Allejujah Texte, und zwar unter jeden Ton durchschnittlich eine Silbe. Anregungen zu diesem Verfahren kamen aus dem Kloster Gimedia bei Rouen ... Martial in Limoges ... und durch byzantinische Gäste. Diese der Musik unterlegten dichterischen Gebilde, die Sequenzen, sind Höchstleistungen deutschen Kunstwillens im gregorianisch-mittelalterlichen Geiste; auch die musikalische Fassung ist zum Teil selbständige Schöpfung Notgers voller Schwung und Feuer. Vorherrschendes Baugesetz ist die paarweise Wiederholung unter sich verschieden langer Melodiezeilen oder Lieder, "Choräle" genannt, auf je zwei textlich verschiedene "Versikel", meist mit selbständigen einleitenden auf- und beschließenden Abgesang (AA, BB, CC —, X). Die Silben werden ohne Rücksicht auf Länge und Kürze gezählt, wie in den griechischen Hymnen, im Gegensatz zu den klassischen Versmaßen der lateinischen Hymnenpoesie. Der Name Sequenz ist Übersetzung des griechischen Ausdruckes Akoluthia. Diese volkstümlicherem Empfinden entsprechende sprachliche und musikalische (syllabische) Form bewirkte, neben der oft bedeutenden Schönheit der Gedichte, rasche Verbreitung der Sequenzen nach Deutschland, Frankreich, England.
— Nach Notker schufen Sequenzen Wipo (Hofkaplan Konrads II. und Heinrich III.), der Mönch Heinrich (im Kloster Limburg an der Hardt), Berno von Reichenau (gest. 1048), Hermann Contractus (gest. 1054). — Einzelnen Sequenzen lagen weltliche Melodien zugrunde, so ein Karlmannslied. Von weltlichen Sequenzen sind einige auch musikalisch bekannt. Der deutsche Leich (seit 11. Jh.), der franz. lai (seit 12. Jh. hat, wie die Sequenz, paarige Strophenmelodien, vielleicht schon der vorchristlich-germanische "Leich". Übermütige Gesänge fahrender Schüler in Sequenzform sind erhalten, doch musikalisch nicht lesbar. — Ähnlich wie Notger verfuhr sein Studiengenosse Tutilo (gest. 915), indem er Teile der Meßgesänge durch unterlegte und umschreibende Texte erweiterte, Tropen benannt. Wie die Sequenzen auf Singgruppen verteilt, haben sie als dialogische Darstellung neutestamentlicher Szenen (Weihnacht und Ostern) das mittelalterliche Drama ins Leben gerufen. — Den Benediktinerklöstern zur Seite treten in der musikalischen Kultur die Nonnenklöster: Hrosvitha von Gandersheim (um 1000), Elisabeth von Schönau (bei Nassau, gest. 1165), die hlg. Hildegard bei Bingen, gest. 1179), Herrad von Landsberg (auf Hohenburg = Weißenburg im Elsaß um 1180) haben Sequenzen, Hymnen und andere geistliche Gesänge gedichtet und vertont zum Gebrauch in den Klöstern. Sequenz und Tropus ist gefolgt vom Reimoffizium, gereimten Texten für die Tages-Gottesdienste an Heiligenfesten. Regelmäßigere Rhythmik nähert sie den Hymnen; die Strophen nähern sich, zumal textlich, gleichem Bau. Ein Deutscher, Julian von Speyer, ist ist Mitte 13. Jh. in Paris Meister der Gattung. Spätere Dichter solcher Reimoffizien sind Leopold von Steinberg, Ghiseler (um 1400 in Hildesheim), der Bischof von Meißen, Joh. Hoffmann (Mitte 15. Jh. und Joh. Hane (Ende 15. Jh.). — Von der Mitte des 14. Jh. bis 1500 ist im gregorianischen Gesang ein Niedergang bemerkbar. — Das Konzil von Trient hat 1568 die Sequenzen bis auf fünf, an den hohen Festtagen heute noch in der katholischen Kirche gesungen, ausgemerzt.


Tropen

– frei gedichtete Lieder, welche zwischen den auf Bibeltexten beruhenden eigentlichen Hauptgesängen eingeschaltet wurden (bereits in der griechischen Kirche im 4. Jahrhundert, Hymnen beruhen auf diesen Tropen), abendländische Tropen im 9./10. Jh., oft werden Melismen (zwischen dem bewahrten liturgischen Text) zu neuen Melodieteilen und mit neuem Text unterlegt

Sequenzen (Prosen)

Spezialform der Tropen – Schlußmelismen der Hallejujagesänge (besonders reich melismiert) werden zur Melodie und mit freien Text unterlegt, schon bei Notker wird nicht der gesamte ursprüngliche Originaltext beibehalten, nur die alten Anfänge werden in die neue Komposition übernommen (im Gegensatz zu den Tropen), Barform ohne Abgesang mit Prosatexten (Oster-Sequenz), später strophisch (z.B. Stabat mater, Dies irae). Aus den Sequenzen entstanden u.a. die Leiche, ebenfalls in der Barform ohne Abgesang, aber mit gereimten Texten. Von erheblicher Länge – Zyklen mit 12 Gesängen und mehr

Monumenta Musicae Byzantinae, Copenhagen

Gregorianische Gesänge

Hl. Gregor "der Große"

Papst Gregor der Große (590-604): ,,Vier Bücher Dialoge über das Leben und die Wundertaten italischer Väter"

Die Sieben Todsünden


Hintergrund und Urgrund der Abendländischen Musik: Der Gregorianische Gesang (Gregorianik)

The Middle Ages




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