IndustriezeitModerne seit 1906

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Expressionismus:
Väter der Moderne

A. Schönberg
B. Bartok
I. Strawinsky
E. Varese
S. Prokofieff

 

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Nachfolger der
1. Generation

A. Honegger
P. Hindemith
D. Schostakowitsch
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Komponisten von
Bühnenwerken


 Moderne – ist Bruch mit allem, was bis dahin als Musik empfunden wurde. Nach bilderstürmerischen Werken ("Barbarismus" Bartoks, Strawinskys, atonale Harmonik Schönbergs: Expressionismus) versuchen darauf aufbauend seit Zwölftonmusik und Neoklassizimus die Komponisten etwas der tonalen Musik Gleichwertiges zu schaffen. Dabei schält sich immer mehr die Rolle des Klangs als eigenständiges musikalisches Mittel heraus. Noch ist es (pauschal gesagt) nicht gelungen, etwas derart Anrührendes zu komponieren, das eine größere Zahl Musikliebhaber begeistert. Auf jeden Fall setzt die Kommunikationsgesellschaft (Film, Funk, Fernsehen, Internet) neue Schwerpunkte (z.B. die Rolle der audio-visuellen Gebrauchskunst, Gewohnheiten im Kunstkonsum).
Im Zusammenhang mit der Klangdominanz wächst die Bedeutung der bruitischen Schule (Varese, Schaeffer, Cage, Penderecki). Anzumerken die Kollektivrezeption: Aus den Trümmern der bürgerlichen Oper erwuchs eine neue musikalische Form, die mit der alten Oper nur noch die Bezeichnung verbindet, die Operette wurde abgelöst durch die amerikanische Abart Musical, das nach tänzerisch-songbetonten Klassikern mehr und mehr im Kitsch versandet, die elitäre Ballettkunst bringt Highlighs für ausgesuchte Enthusiasten hervor, und die neue Kollektivrezeption Film-/Fernsehmusik schließt sich leider dem derzeitigen Trend sentimentaler U-Musik an.

Expressionismus (1906-1930)

Die Väter der Moderne
Zeitgenossen der spätbürgerlich-spätromantischen Komponisten, aber mit neuen Mitteln, die die tonale Epoche hinter sich ließen. Der vorherrschende Stil ist Expressionismus.
1. Wiener Schule
Arnold Schönberg (1874-1951), in Nachfolge Mahlers (Verklärte Nacht, Gurre-Lieder), Revolution der Harmonik (Atonalität), Übergang (und damit das erste "moderne" Musikstück überhaupt: Kammersinfonie, op. 9 (1906)
Anton Webern (1883-1945) und Alban Berg (1885-1935), expressionistische Oper Wozzeck (1917/21), bilden dann mit Schönberg die dritte Wiener Schule (Zwölftonmusik)
Dazu: Joseph Matthias Hauer (1883-1959), Österreicher, mit einem eigenständigen Zwölftonsystem
2. Russische Moderne
Beide Komponisten sind Schüler Rimski-Korsakows und erhielten wichtige Anregungen durch den Ballettimpressario Djagilew.
Igor Strawinsky (1881-1971), Einflüsse des Impressionismus (Feuervogel, Petruschka), expressionistisch das Ballett Sacre du printemps (1913), Geschichte vom Soldaten (1917/18), Les Noces (1923), Revolution der Rhythmik, führte später zur Polyrhythmik
Sergej Prokofieff (1891-1953), polytonale, expressiv-groteske Frühwerke: Oper Die Liebe zu den drei Orangen, Die Verlobung im Kloster, Ballette Der Narr, Der stählerne Schritt, Klassische Sinfonie (1917); als Solist (Klavier): 1904-1909 am Petersburger, später am Moskauer Kons.; seine Lehrer waren Glier, Rimski-Korsakow, Tscherepnin; gewann 1914 den Rubinstein-Preis; lebte von 1918 bis 1932 im Ausland (Japan, Dtschl., Paris, USA); trat meist in eigenen Klavierkonzerten auf
3. Nationale Schulen
Im Gegensatz zu den zeitgleich lebenden spätbürgerlichen Nationalen (Janacek, de Falla, Sibelius) Rückbesinnung auf die "nackte" Intonation (ohne romantische "Verpackung")
Bela Bartok (1881-1945), urwüchsige Expressivität durch ungarische musikalische Eigenheit, impressionistische und komplizierte rhythmische Züge: Allegro barbaro (1910), Herzog Blaubarts Burg (1911), Pantomine Der wunderbare Mandarin (1919), Tanzsuite (1923), Ungarische Bauernlieder, Rumänische Weihnachtslieder;
als Solist (Klavier, Dirigent): 1907 Prof. für Klavier in Budapest, seit 1940 in den USA; (z.T. mit seiner Frau Ditta von Päszthory) Interpret seiner eigenen Klavierwerke
Bildet mit Bartok die moderne nationale ungarische Schule – Zoltan Kodaly (1982-1967): klang- und musizierfreudiges Singspiel Hary Janos, festlich-markiger Psalmus Hungaricus, Budavari Te Deum.
Begründete die rumänische Schule und bedeutendster Komponist Rumänierns des 20. Jh.: George Enescu (1881-1955), ursprüngliche, aus Folkore, Impressionismus und gemäßigter Moderne gespeiste Nationalmusik: Sinfonien, Suiten, Rumänische Rhapsodien, lyrische Tragödie Oedipe (1920-1931); als Solist (Violine): studierte in Wien bei Hellmesberger u. Marsick, später in Paris bei Massenet, unternahm viele Konzertreisen (Violine), Lehrer u. a. von Y. Menuhin
Bohuslav Martinu (1890-1959), in Paris expressionistische Strömungen, vor allem Jazz: Allegro symphonique, 1. Klavierkonzert, Konzert für Streichquartett und Orchester
4. Bruitische Schule
Edgar Varese (1885-1965), Expression durch "Lärm", Erweiterung der Klangmittel durch Alltagsgeräusche, ungewöhnliche Instrumente: Ionisation (1930/31), Poem electronique (1958).

 

G. Enescu, Z. Kodaly, A. Webern, A. Berg, B. Martinu, D. Milhaud
E. Korngold, F. Poulenc, G. Antheil, E.Krenek, K. Weill

Nachfolger der 1. Generation
Artur Honegger (1892-1955), Pastorale d'ete (1920), expressiv-motorische Programmstücke Pacific 231 (1923),Chant de la joie (1923), Rugby (1928)
Weiterer Vertreter der Six – Darius Milhaud (1892-1974), impressionistisch, expressionistisch, Jazz, polytonal, klangintensiv: Oper Christophe Colombe (1930), Georges Auric (*1899, Ballette "Les Facheux (1924), "Les Matelots" (1925), Francis Poulenc (1899-1963), Ballett "Les Biches" (1924)
Dazu: der US-amerikanische Komponist George Antheil (1900-1959, zu der Zeit in Paris): sein ursprünglich als Filmmusik geplantes "Ballet mécanique" (1925, Skandal)
Paul Hindemith (1895-1963), Sturm-und-Drang-Periode, überschäumendes Musikantentemperament, Lust auf Ironie, Persiflage, Parodie: revueartig-provokative Kurzopern Mörder, Hoffnung der Frauen (1921), Neues von Tage (1929), Bostoner Sinfonie (1931) - Jazz; als Solist (Violine, Bratsche, Viola d'amore, Dirigent): 1915-1923 erster Kzm. der Frankfurter Oper später Bratschist im Amar-Quartett, 1927-1935 Prof. für Komposition in Berlin, unterrichtete seit 1936 in Ankara, später in Boston u. New Haven, seit 1953 in Zürich
Dmitri Schostakowisch (1906-1975): 1. Sinfonie (1924/25), Opern

Komponisten von Bühnenwerken:
1.Paris: Das erste Vierteljahrhundert beherrscht durch die Auftritte des Djagilew-Balletts (siehe Seite Ballett). Neben Bühnenwerken spätbürgerlicher Komponisten (Debussy, Ravel, Schmitt, Strauss) und von Protagonisten der Moderne (Skandalaufführung Strawinskys "Sacre", Prokofieff) Werke ausgesprochen junger Künstler, z.B. "Six": Auric, Poulenc, sowie Antheil
2. Berlin und Wien: In den 20er Jahren neben Strauss und Verismo aufsehenerregende Opernaufführungen (siehe Seite Opern), herausragend:
Erich Korngold (1897-1957), "Die tote Stadt" (1920)
Ernst Krenek (1900-1991): Jazz-Oper "Jonny spielt auf" (1927)
• expessive Theaterstücke von Kurt Weill (1900-1950): auf Texte von Bert Brecht "Dreigroschenoper" (1928), "Mahagonny", "Die sieben Sünden der Kleinbürger"
3. Revolutionäres Rußland: Im Rahmen des Expressionismus auch die Agitprop-Kunst (Majakowski-Impulse). Versuche mit zeitgenössischer Kunst im Laufe der Repression abgewürgt:
Dmitri Schostakowisch, Opern Die Nase (1927/28), Lady Macbeth von Mzensk (1930-32)



Arnold Schönberg

1874 Wien-1951 Los Angeles, österreicher Komponist, studierte bei Alexander von Zemlinsky, arbeitete er abwechselnd in Berlin und Wien als Lehrer, bevor er 1925 eine Professur an der Berliner Hochschule für Musik annahm, 1933 emigrierte er über Paris in die USA, wo er bis 1944 Lehrer an der University of Southern California war. Schönberg gilt als Begründer der Neuen Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Werke: Konzerte, Bühnen-, Orchester-, Kammermusik-, Klaviermusik- und Vokalwerke

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Bela Bartok

1881 Nagyszentmiklós-1945 New York, ungarischer Komponist, Pianist. Professur für Klavier an der Budapester Liszt-Hochschule, in den Jahren 1920 bis 1940 unternahm er zahlreiche Konzertreisen und gab eine umfangreiche Volksliedsammlung für die Akademie der Wissenschaften in Budapest heraus. 1940 emigrierte er nach New York, wo er bis zu seinem Tode gemeinsam mit seiner Frau Ditta Konzerte eigener Kompositionen gab.
Werke: zahlreiche Konzerte, Klavier-, Chor- und Vokalwerke, eine Oper und zwei Ballette

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Igor Fjodorowitsch Strawinsky

1882 Oranienbaum bei St. Petersburg-1971 New York, russischer Komponist, Unterricht bei Rimski-Korsakow. Für Diaghilew schrieb Strawinsky drei Ballette: 'L'oiseau de feu' (1910), 'Pétrouchka' (1911) und 'Le sacre du printemps' (1913), wobei die Aufführung des ’Sacre’ in einem mittlerweile legendären Skandal unterging. Seit 1914 lebte Strawinsky in der französischen Schweiz, ab 1920 in Paris und ab 1939 in den USA. Dort hielt er eine Vorlesungsreihe 'Poétique musicale' an der Harvard University, siedelte schließlich nach Hollywood um und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. In seinem Schaffen gehört Strawinsky zu den bedeutendsten Komponisten der Neuen Musik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Werke: Neben Balletten schrieb er noch andere Bühnenwerke, Orchester-, Klavier-, Chor- und Kammermusikwerke

Edgar Varese

1883 Paris-1965 New York, französischer/US-amerikanischer Komponist. Er war der Vorreiter elektronischer Musik im Bereich der klassischen Musik. Trotzdem werden seine Werke heute nur selten aufgeführt.Nach Abschluss seiner Studien in Paris engere Kontakte zu Richard Strauss und Ferruccio Busoni in Berlin, ab 1915 in New York. Varèses überliefertes Oeuvre beginnt mit den Amériques für großes Orchester aus dem Jahr 1921, hier entwickelte er hier eine gänzlich neue Welt von Klängen, geprägt von einer Vielzahl dissonanter Akkorde und einer komplexen rhythmischen Polyphonie. 1921 gründete Varèse zusammen mit Carlos Salzedo die ‚Internationale Komponistenvereinigung', die die Erstaufführung einiger seiner Werke - vor allem kammermusikalischer Natur - ermöglichte. Gleichzeitig entstanden weitere Orchesterwerke im Stile der Amériques wie Hyperprism (1923), Intégrales (1925) und Arcana (1927), sein heute populärstes Werk. 1928 bis 1933 folgte ein langer Parisaufenthalt, während dessen die Ionisation percussion orchestra entstanden. Es war das erste europäische Werk, das fast gänzlich auf temperierte Klänge verzichtete. Seit 1956 schrieb er dann Werke, die die Errungenschaften der elektronischen Musik sehr stark mit einbeziehen; so beispielsweise Dèserts (1954) für Holzbläser, Schlagzeug und Tonband oder das Poéme électronique (1957/58).

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Sergej Prokofieff

1891 Sonzowka-1953 Moskau, russischer Komponist.. Er studierte unter anderem bei Rimski-Korsakow und Tescherepnin, trat ab 1908 - zum Teil mit eigenen Werken - als Pianist in aller Welt auf. 1918 verließ er Rußland ganz und hielt sich in Japan, den USA und vor allem in Paris auf (Ballette für die Djagilew-Kompgnie).1934 kehrte er wieder nach Russland zurück. Dort widmete er sich in seinen Kompositionen stärker der russischen Musik des 19. Jahrhunderts, wie sie vom 'Mächtigen Häuflein' um Modest Mussorgsky proklamiert wurde
Werke Ballette, Orchester-, Kammer- und Klaviermusikwerke sowie Opern, darunter 'Die Liebe zu den drei Orangen' (1921), 'Krieg und Frieden (1944) und 'Erzählung vom wahren Menschen' (1948). Sein bekanntestes Werk ist wohl das musikalische Märchen 'Peter und der Wolf’ aus dem Jahr 1936

Arthur Honegger

1892 Le Havre-1955 Paris. franz.-schweiz. Komponist, enge Kontakte zu Francis Poulenc und Darius Milhaud, gehörte später auch dem erweiterten Kreis der Groupe des Six an,orientierte sich aber an der klassisch-romantischen Kompositionstradition (besonders Bachs Choralformen, siehe sein erstes großes erfolgreiches Werk, der Psalm‚König David’ - 1922). Es entstanden eine ganze Reihe von Werken von beeindruckender Religiosität und profaner Größe, Seine Musik hat häufig sehr theatralischen Charakter und besticht durch die scheinbar perfekte Mischung von Text, Musik und Aktion, was ihn auch zu einem Opern- und Ballettkomponisten machte. So entstanden ‚Judith’ (1925), ‚Phaedre’ (1926), ‚Antigone’ (1928). Besondere Beachtung fanden die Projekte ‚Jeanne am Holzstoß’ (1935) und ‚Tanz der Toten’ (1938), die Honegger zusammen mit Paul Claudel realisierte.
Werke: fünf Sinfonien und verschiedene sinfonische Sätze (wie ‚Paciffic 231’ und ‚Rugby,’ kammermusikalische Werke: Streichquartette, Solosonaten und Lieder. Auch seine Ballettmusiken werden heute noch regelmäßig aufgeführt

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Paul Hindemith

1895 Hanau-1963 Frankfurt (Main), deutscher Komponist, Bratsche. Ab 1915 Konzertmeister am Frankfurter Opernhaus, von 1922 bis 1929 Bratscher im Amar-Quartett, engagierte sich bei den Donaueschinger Musiktagen. 1927 wurde er Professor für Komposition an der Berliner Hochschule für Musik. In Deutschland bekam er 1934 Aufführungsverbot, ging 1938 zunächst in die Schweiz und anschließend in die USA, wo er unter anderem als Professor an der Yale University arbeitete. 1951 kehrte er nach Europa zurück, unternahm Konzertreisen, Professur an der Universität Zürich
Werke: Opern, Ballette, Orchester-, Kammer-, Klavier- und Chormusikwerke sowie Gesäng

 

Dmitri Schostakowitsch

1906 Petersburg-1975 Moskau, russischer Komponist.Von 1937 bis 1958 hatte er Professuren für Komposition am Leningrader und Moskauer Konservatorium inne. 1969 erhielt er den russischen Staatspreis für Musik
Werke: Sinfonien, Opern und Ballette

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Der Expressionismus

Gewisse gemeinsame Kennzeichnen: 1. Wenig Instrumente, Kammerbesetzung, dabei kein homogener Orchesterklang beabsichtigt, Individualität der Instrumente wird scharf und konstrast-reich herausgearbeitet – spröder, nicht verschmelzender Gesamtklang. Bläser werden wegen ihres präzisen Tones gegenüber den Streichern bevorzugt. Dominierend das Schlagzeug, Instrumente werden als Schlagzeug eingesetzt (perkussiv), Geräusche werden eingebunden.
Bezüge zum Jazz, zur Rhythmik der slawischen und ungarischen Volksmusik sowie zur Melodik der osteuropäischen Völker (Kirchentöne u.a.). Rhythmus und Metrik entwickeln sich zur Polyrhythmik. Vermeidung tonaler Zentren (tonale Ungebundenheit), Bevorzugung dissonanter Klänge ohne Auflösung, Häufung heterogener Akkorde.
Melodik – instrumental oder deklamatorisch, Instrumentstil und Stimme gehen an die Grenze des menschlich Ausführbaren und Auffaßbaren. Damit entbehrt die Musik oft eines ästhetischen Reizes, des Wohlklangs und der Schönheit.
Formen – Verzicht auf Klarheit und Übersichtlichkeit, unregelmäßige Perioden, barocke Überladenheit, rhapsodische Freizügigkeit, anarchische Willkür. Hinwendung zur Polyphonie, Linearität, Konzertanz, maschinelle Motorik, konstruktiver Grundzug



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