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Urchristen

Dieser Text deckt sich mit dem Text eines 1875 von dem griechischen Metropoliten Philotheos Bryemios in der Bibliothek des Patriarchen zu Konstantinopel aufgefundenen Pergamentinschrift. Diese Schrift bietet einen Einblick in die Verfassung der ersten Christengemeinden.

Der Hirtenbrief unseres Herrn Jesu Christi.

       Das spricht der Amen, der treue und wahre Zeuge, der Urgrund der Schöpfung Gottes:
       Ich kenne Eure Werke, daß Ihr weder kalt noch warm seid. O wenn Ihr nur kalt oder warm wäret. Weil Ihr aber lau seid, und weder kalt noch warm, so werde ich Euch ausspeien aus meinem Munde.
       Ihr sprecht: wir sind reich und haben in Hülle und Fülle und brauchen nichts. Ihr wißt aber nicht, daß Ihr elend seid, jämmerlich elend, arm, blind und nackt.
       Ich gebe Euch den Rat: kauft Euch Gold von Mir, das im Feuer geläutert worden ist, damit ihr reich werdet. Kauft weiße Kleider, auf daß Ihr die Schande Eurer Blöße verdecken könnt. Kauft Salbe für Eure Augen, auf daß Ihr wieder sehet.
       Die Ich lieb habe, die warne Ich und züchtige sie scharf. Werdet deshalb eifriger und kehret um!
       Geht! Ich stehe vor dem Tore und klopfe an. Wer meinen Ruf hört und mir öffnet, unter dessen Dach will ich gehen und das Mahl mit ihm nehmen und er mit Mir.
       Wer sich überwindet, den will Ich neben Mir auf den Thron setzen, sowie auch Ich überwand und neben mein Vater auf seinem Thron mich setzte.
       Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der geist den gemeinden verkündigt!

*

       Diesem Hirtenbrief ist folgende Bemerkung angefügt:
       Ich bin der Amen, spricht der Herr. Amen heißt:
Es geschehe! Der Herr Jesus Christus ist der Amen, das Wort, das zur Tat geworden. Sein Wort ist die Wahrheit und seine Tat die Liebe, welche warnt, züchtigt, läutert.
       Die Lauheit ist dem Herrn ein Greuel. Das laue Wasser speit man aus, weil es den Ekel erregt. Lieber sind dem Herrn die Feinde, die kalten Haß äußern; sie kann er mit Zeit, Geduld und Eifer mürbe machen. Der Herr will vor allem Jünger mit warmer Begeisterung für das Große, Schöne und Edle. Ohne Begeisterung kann man seinen Geist nicht erfassen, noch ihn aufnehmen, noch anderen ausgießen.
       Die Lauheit macht gleichgültig. Die Lauen bilden sich in ihrer Dünkelhaftigkeit ein, alles zu kennen, sie halten sich für reich an Tugend, Weisheit und guten werken. Und doch sind sie so arm, blind und nackt! Sie brauchen das durch Erfahrungen und leiden geläuterte Gold der Wahrheit. Die weißen Kleider (bei der taufe) sind das Zeichen der Unschuld und guten Werke. Die Salbe ist für die Augen, damit sie die Weisheit erkennen. Wir brauchen Licht, Liebe und Leben für die Wahrheit. Das ist das Gold, das wirklich reich macht. Das sind die Kleider, welche die sittlichen Blößen bedecken. Das ist die Stärkung für die Augen, um die Schätze der wahren Religion zu finden.
       Die Lauen will der Herr zur Erkenntnis ihrer geistigen Armut, Blindheit und Nacktheit bringen. Er klopft bei ihnen an und ruft ihnen zu, und wann sie auf ihn hören, dann vereint er sich mit ihnen, er teilt mit ihnen das Mahl und den Thron der Glückseligkeit. Der Herr ist das Wort und die Tat, die Wahrheit, Liebe und Treue, die Kraft und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen! — —


* Das Kiliansevangelium *

Die "Lehre der 12 Apostel an die Völker" enthält keine besondere Dogmenlehre, sondern nur die aus dem Essäerbund ins Christentum übertragene Sittenlehre samt Kulturvorschriften, die in folgende Sätze zusammengefaßt ist:

1. Kapitel. Es gibt zwei Wege: der eine ist der des Lebens, der andere des Todes. Der Abstand zwischen beiden ist groß.

Der Weg des Lebens ist: Liebe den Nächsten wie Dich selbst! — Liebe Gott, deinen Schöpfer! Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinen andern zu!
Dies ist die Religion des Christentums, das Gebot des Glaubens, das Evangelium der Liebe, der Urgrund der Hoffnung, die Grundlage der Freiheit.

Segnet, die euch, betet für eure Feinde und Verfolger! Falsch ist der Wahn, daß es genug sei, bloß die zu lieben, die euch lieben! Das tun auch die Heiden. Ihr sollt mit eurer werktätigen Liebe die Welt umfassen, dann werdet ihr die Menge eurer Feinde am leichtesten überwinden.

Ihr müßt Selbstverleugnung und Selbstenthaltung pflegen, wenn ihr die Welt erobern wollt. Wer die auf diesem Wege einen schlag auf die rechte Wange gibt, dem reiche auch die andere.
Die Welt gewinnen, um die Menschheitüber die Erde zum Himmel zu erheben, heißt sich über das Irdische erheben, Unrecht ertragen und kein Recht für sich nehmen, das man ohne Anwendung von Gewalt nicht nehmen kann.
Wenn dir Einer den Mantel nimmt, gib ihm auch den Rock. Gib dem, der dich um eine Gabe bittet, und verlange sie nicht zurück. Denn unser Vater will, daß alle Teil haben an den Gaben der erde. Doch erkenne den, welchen du gibst, bevor du ihm gibst. Wer aber ohne Not nimmt, dem wehe! Er wird Rechenschaft ablegen müssen.

2. Kapitel. Verübt nichts gegen Leib und Lebens des Nächsten, keinen Mord, keinen Ehebruch, keine Knabenschändung, keine Unzucht noch Zauberei oder Giftmischerei. Zerstört nicht das werdende Leben, mordet nicht die neugeborenen Kinder. Vergreift euch nicht an fremden Eigentum, schwört keine Meineide, gebt keine falschen Zeugnisse, redet von Niemanden übel und tragt keinem etwas nach. Seid nicht zweisinnig noch doppelzüngig. Die Doppelzüngigkeit ist eine Galgenschlinge. Euer Wort sei reine Wahrheit, eure Rede kein leeres Geplapper, sondern die Ausübung einer Tat. Ferne sei von euch Falschheit, Heuchelei und Hochmut. Sinne keine Bosheit gegen den Nächsten! Hasset keinen Menschen. Belehret die Irrenden, bittet für die Reuigen und liebet die Guten über eure Seele.

3. Kapitel. Meide das Arge und was ihm ähnlich sieht. Meide vor allem den Zorn, denn er verleitet zum Mord. Sei nicht streitsüchtig noch leidenschaftlich, werde auch kein Zelot, kein finsterer Glaubenseiferer, denn alles führt zum Unrecht und Verbrechen. Mein Sohn, meide die Lüsternheit, denn sie verleitet zur Unzucht. Führe keine schlüpfrigen Reden, noch schlage die Augen zu hoch auf. Denn dies alles führt zu Ehebrüchen.

Mein Sohn, meide die Wahrsagerei, denn sie verleitet zum Aberglauben und zur Götzendienerei. Sieh die nicht an, welche gewerbsmäßig als Beschwörer, Propheten und Wunderdoktoren auftreten. Denn aus allem geht Aberglauben und Götzendienst hervor.
Mein Sohn, meide die Lüge, denn sie führt zum Diebstahl. Sei nicht gierig nach Geld und eitler Ehre. Denn dies alles führt zu Diebstählen.
Mein Sohn, meide das Fluchen: denn das verleitet zum Lästern. Sei nicht frech noch boshaft. Denn aus allem gehen Lästerungen hervor.
Sei sanftmütig, denn durch Sanftmut wird die Welt erobert. Sei langmütig und gutherzig und überhaste nichts. Überhebe dich nicht und verbanne die Verwegenheit aus deiner Seele!
Dein Sinn erniedrige sich nicht vor den Großen und Hohen, verkehre mit den gerechten und auch mit dem niederen Volke.
Nimm Mühsale und Widerwärtigkeiten auf dich, die Geduld, ist eine Tugend, welche Nutzen bringt.

4. Kapitel. Mein Sohn, bewahre immer ein gutes Gedenken an den, der dir diese Lehren verkündet und einprägt. Dann ist der Herr mit dir. Verkehre mit guten Menschen und erfreue dich an ihren Reden. Stifte keine Spaltung, sondern vermittle unter den streitenden. Urteile ohne Ansehen der Partei und Person, wenn die Fehler Rügen und Strafen verdienen, ohne Rücksicht auf dich selbst und deinen Vor- und Nachteil.
Mein Sohn, werde nicht ein solcher, der bloß zum Nehmen die Hand öffnet, zum Geben aber zusammenhält. Gib von dem, was du dir ehrlich erworben hast, als Opfer für deine Sünden. Deine Gaben sollen dich niemals reuen, denn du weißt, wer den Lohn vergelten wird. Ziehe deine Hand nicht ab von den Dürftigen. Laß auch deinen Nächsten Teil haben an deinen Gütern und sage ihm nicht, es sei bloß dein Eigentum. Wollt ihr Teil haben an unvergänglichen Gütern, so müßt ihr die Anderen nicht ausschließen von den vergänglichen Gütern.

Ziehe deine Hand nicht zurück von deinem Sohn oder deiner Tochter und unterweise sie von Jugend an in der Furcht des Herrn. Du sollst auch deinen Knecht und deine Magd, die auf den nämlichen Gott ihre Hoffnung setzen, nicht schlecht und würdelos behandeln: denn sonst werden sie den Herrn nicht mehr fürchten, der über euch allen steht. Denn er sieht nicht nach dem Ansehen einer Person, sondern er kommt nur zu denen, welche ihren Geist für ihn zugerichtet haben. Umgekehrt sollt ihr Knechte und Mägde eurer Herrschaft untertan sein und sie mit Rücksicht und Ehrfurcht behandeln.

Lasset die Heuchelei und Wohldienerei, denn sie mißfallen dem Herrn. Bekennet euch zu eurem Glauben, den ihr empfangen habt, ohne etwas hinzu oder wegzutun. Befolgt die Gebote, die wir euch gelehrt haben. Bekenne in der Gemeinde (der Gläubigen) deine Sünden und gehe nicht zum Gebet und Abendmahl mit bösem Gewissen. Das ist der Weg des Lebens.

5. Kapitel. Der Weg des Todes ist voll Bosheit und Fluch! Alle Todsünden, Mord, Unzucht, Ehebruch, Giftmischerei, Diebstahl, Raub, Meineid, Götzendienst, Heuchelei, Doppelzüngigkeit, Tücke, Hochmut, Niedertracht, Habsucht, Verleumdung, Neid, Frechheit und Großsprecherei liegen auf diesem Wege. Den Todesweg wandelt, wer die Guten verfolgt, die Wahren haßt, die Lüge liebt, die Gerechtigkeit verachtet, die Tugend verstößt und Schlimmeres sinnt. Den Todeswandlern ist unbekannt die Milde und Geduld, sie leiben das Eitle und Vergnügliche, streben nach Geld, haben kein Herz für die Armen, kümmern sich nicht um die Kummervollen, gedenken nicht des Schöpfers. Zu ihnen gehören die Kindermörder, welche Gottes Ebenbild vernichten, die Reichen, welche die Dürftigen von ihrer Türe weisen, die Wucherer, welche die Bedrängten pressen, die Advokaten, welche die Habgier der Reichen dienen, die Richter, welche die Not nicht würdigen. Das sind die Sünder! Laßt euch retten, ihr Kinder, von all diesen Gefährden!

6. Kapitel. Hütet euch vor solchen, deren Lehre außer diesem Bereich liegt, denn sonst werdet ihr euch von diesem Lebensweg abwenden. Kannst du nicht gleich ganz vollkommen sein, so trachte, es zu werden. Übe dich in der Selbstverleugnung und Selbstenthaltung, soviel du kannst. Nur von allem Götzendienst halte dich fern. Auch lebende Götzen sollst du nicht achten, denn auch das ist der gleiche Dienst wie jener der toten Götter.

*

An diese Kapitel über die Sittenlehre schließen sich die Vorschriften über die Aufnahme in die Gemeinschaft und die sonstigen Vorschriften an, die ein Einblick in das Leben und Zeremoniell der ältesten christlichen Gemeinden gewähren, die jenem der Essäer nachgeahmt sind.

7. Kapitel. Wer in unsere Gemeinschaft treten will, empfängt zum Zeichen und zur Weihe die Taufe. Lehret ihm aber das, was wir bisher gelehrt haben, dann nehmt ihr ihm das Gelübde ab und taufet ihn mit fließendem Wasser auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Habt ihr kein fließendes Wasser, so genügt auch ein anderes Wasser. Und wenn ihr kein kaltes habt, so nehmt warmes. Habt ihr nicht genug Wasser, um den Täufling unterzutauchen, so schüttet auf sein Haupt dreimal Wasser auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Auf die Taufe aber soll sich der Taufende wie der Prüfling durch Fasten vorbereiten, und ebenso ein Mitglied der Gemeinde, der als Zeuge (Pate) beistehen soll.

8. Kapitel. Eure Fasttage sollt ihr nicht mit den Pharisäern der Synagoge halten. Diese fasten am zweiten und fünften Tage der Woche. Ihr sollt den vierten und sechsten Tag halten, denn der Mittwoch ist die Einleitung zum Leiden des Herrn, der Freitag sein Todestag. Auch sollt ihr die Gebete nicht mit den Pharisäern halten, welche so viel plappern, sondern ihr sollt zu den 3 Tageszeiten (mittags und abends) einfach beten wie der Herr:

Vater unser, der Du bist in dem Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Zu uns komme dein Reich! Dein Wille geschehe im Himmel und auf Erden. Gib uns heute unser genügendes Brot. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns vom Übel. Denn dein ist die Macht und und Herrlichkeit in Ewigkeit!

(Der letztere Zusatz fehlt in den älteren Handschriften des Matthäus Evangeliums, weshalb er von den Katholiken weggelassen wird, die orientalische und evangelische Kirche dagegen hat ihn beibehalten mit der Änderung: "denn Dein ist das Reich usw.")

9. Kapitel. Beim Brudermahl (Abendmahl) sollt ihr sprechen zuerst über den Becher die Worte: "Wir danken Dir, Vater unser, für den heiligen Weinstock Davids, Deines Dieners, den Du uns kund getan hast durch Jesus, Deinen Diener. Dir sei die Herrlichkeit in Ewigkeit!" — Über das gebrochene Brot sollt ihr sprechen: "Wir danksagen Dir, Vater unser, für das Leben und die Erkenntnis, die Du uns kund getan hast durch Jesus, deinen Diener! Dir sei die Macht und Herrlichkeit in Ewigkeit! Wie dies zerbrochene Brot zerstreut war über den Bergen und zusammengebracht ein einziges geworden ist, so werde die Kirche von den enden der Welt in ein einziges Reich zusammengebracht. Denn Du hast die Macht und die Herrlichkeit, durch Jesus Christus, in die Ewigkeit!" Niemand soll Teil haben an eurem Brudermahl, der nicht getauft ist auf den Namen des Herrn. Denn der Herr hat gesagt: Gebt nicht das Heilige den Hunden! (Das heißt denen, welche das Ehrwürdige anbellen und verhöhnen.)

10. Kapitel. Nach dem Brudermahl der Gemeinde danket also:

 "Wir danksagen Dir, heiliger Vater, für deinen heiligen Namen, der eingezogen ist in unser Herz, für die Erkenntnis, den Glauben und die Unsterblichkeit, welche Du uns geoffenbart hast durch Jesus, deinen Diener. Dir sei die Herrlichkeit in die Ewigkeit! — Du, unser allmächtiger Gott, hast das Weltall geschaffen um deines Namens willen. Du hast den Menschen Speise und Trank gegeben zum Genusse, damit sie Dir danken. Uns aber hast Du in Deiner Gnade verliehen geistige Speise und Trank und ewiges Leben durch Deinen Diener. Wir danken Dir, denn Dein ist die Macht und die Herrlichkeit in die Ewigkeit! — Gedenke, o Herr, Deiner Kirche, bewahre sie vor allem Übel, vollende sie in Deiner Liebe, bringe sie zusammen von den vier Weltgegenden, denn sie ist geheiligt für Dein Reich, das Du ihr bereitet hast. Denn dein ist die Macht und Herrlichkeit in die Ewigkeit! — Es komme über uns seine Gnade. Es verschwinde der Gedanke an diese Welt! Hosiannah dem Sohne Davids! Ist einer heilig (Christ), so komme er zu uns. Ist es einer nicht, so bekehre er sich. Der Herr erscheint! Amen!"

Den Priestern ist es gestattet, zu diesem einfachen Gebet noch eine Danksagung zu fügen.

11. Kapitel. Gewährt Gastfreundschaft dem, der das Evangelium in unserem Sinne verkündet. Wer aber durch sein Auftreten Unzufriedenheit, Zersetzung, Auflösung herbeiführt, den höret nicht. Dient er dagegen zur Mehrung der Gerechtigkeit und der Erkenntnis des Höheren, so sei er euer Gast wie der Herr. Ein wirklicher Apostel bleibt nicht länger als zwei Tage. Bleibt er drei, so ist er ein falscher Prophet. Geht der Apostel, so soll er nichts mitnehmen als die Wegzehrung für die folgende Nacht. Wer Geld fordert, ist kein Apostel. Ihr sollt keinen Prediger bekritteln oder an ihm herummäkeln und ihn nach seiner Vergangenheit ausfragen. Denn jede Sünde wird vergeben. Wer aber gegen den sündigt, über den der Geist des Herrn gekommen, hat kaum Vergebung zu erwarten. Doch nicht jeder, der predigt, ist ein wahrer Priester, sondern nur der, dessen Betragen seinen Lehren entspricht. An dem Betragen vornehmlich erkennt ihr den Unterschied zwischen wahren und falschen Propheten.
Ein Prediger, der irgend ein Mahl (für die Gemeinde oder die Armen) oder ein gutes, gemeinnütziges Werk veranlaßt, soll selbst daran teilnehmen; sonst ist auch er ein falscher Prophet ebenso wie der, welcher die Wahrheit lehrt, sie aber nicht übt. Der Prediger aber, der sich als wahrer Priester bewährt hat, soll seine fleischliche Selbstenthaltung nicht den Gemeindegenossen zur Pflicht machen. Wegen seiner Frömmigkeit wird er von Gott beurteilt. Darum soll er auch nicht von euch beurteilt werden. Der Prediger, der zu einem von euch sagt: "Gib mir Geld!" oder ihm ähnliches zumutet, soll von euch nicht gehört werden. Will er aber Gaben für Andere, die in Not sich befinden, so soll ihn niemand schelten.

12. Kapitel. Jeder Fremdling, der im Namen des Herrn zu euch kommt, soll Aufnahme finden. Dann aber prüft ihn nach rechts und nach links, um ihn zu erkennen. Ist der Ankömmling ein Wandersmann, so helft ihm nach euren Kräften; nur soll er nicht länger als einen, höchstens zwei Tage bleiben.
Will er sich als Handwerker niederlassen, so sollt ihr ihm Arbeit schaffen, damit er sein Brot verdiene. Ist er kein Handwerker, so haltet ihn zu irgend einer Arbeit an, denn es soll kein Christ unter euch sein, der nicht arbeitet. Will er nicht mit Arbeit sein Brot verdienen, so ist er ein unnützer Schnorrer, der herumhausiert und den Namen des Herrn eitel nennt. Hütet euch vor dergleichen Leuten!

13. Kapitel. Jeder wahre Priester und wirkliche Lehrer der Gemeinde ist seines Unterhaltes wert, ganz ebenso wie ein Arbeiter seines Lohnes würdig ist. Ihr sollt dem Priester den Erstling geben von den Erzeugnissen der Kelter und der Tenne und er soll genau so wie bei den Juden die Hohenpriester gehalten sein. Habt ihr keinen Priester, dem ihr geben könnt, so gebt den Armen den Erstling als ein Gott wohlgefälliges Opfer. Nach dem gleichen Gebot gib den Anschnitt vom Teig, von jedem Krug Wein oder Öl den Lehrern und von Kleiderzeug, Geld und jedem Besitz soviel, als dir gut dünkt.

14. Kapitel. Am Tage des Herrn (Sonntag, Auferstehungstag) kommet zusammen, brechet das Brot und haltet das Brudermahl. Bekennet eure Sünden, damit euer Opfer rein sei. Wer aber einen Zwist hat mit einem andern, mag sich erst versöhnen, bevor er hingehe, damit das Opfer nicht entweiht werde. Denn es spricht der Herr: "An jedem Ort und zu jeder Zeit bringt mir ein reines Opfer. Denn ein großer König bin Ich, spricht der Herr, und mein Name ist wunderbar unter den Völkern!"

15. Kapitel. Als Vorsteher und Kirchendiener (Episkope und Diakone) wählet würdige, milde, wahrhafte und erprobte Männer ohne Habsucht und Geldgier. Achtet sie nicht gering! Denn sie sollen geehrt werden wie die Priester und Lehrer. (In diesem Satz liegt der Unterschied der alten und neuen Kirchenverfassung. Jene war demokratisch, diese ist absolutistisch. D.B.)
Unterweiset einander, schlichtet eure Streitigkeiten in Ruhe, nicht in Zorn. Mit dem Fehlbaren soll keiner reden noch Jemand ihn anhören, bis er seinen Fehler bereut hat. Eure Gebete, die Almosen und alle Handlungen verrichtet nicht wie die Pharisäer der Synagoge, sondern nach den geboten des Herrn und des Evangeliums!

*

Den Schluß der Schrift: "Die Lehre der 12 Apostel" bildet eine in großen Zügen gezeichnete, wunderbare Prophezeiung tiefen geistvollen Inhalts:
16. Kapitel. Habt Acht auf euer Leben! Euer Licht soll nicht erlöschen, eure Lenden mögen nicht erlahmen! Seid alle Zeit bereit! Denn ihr kennt nicht die Stunde, da der Herr kommt!
       Versammelt euch zu Beratung und sorgt für euer Seelenheil. Euer Glaube wird euch nicht helfen, wenn ihr die letzte Stunde nicht antretet als vollendete Christen, treu den Lehren des Herrn und erprobt durch die guten werke.
       Denn es werden sich, wann einmal die Entscheidung der bösen Zeiten herannaht, die falschen Propheten und die Verführer mehren, die Schafe werden sich in Wölfe verwandeln und die Liebe in Haß sich verkehren. Denn wenn die Mißachtung der Gesetze zunimmt, dann werden sie einander hassen und verfolgen und zum Tode liefern.
       Dann erscheint der große Weltbetrüger — wie ein Messias — und wird durch die Taten seiner Macht die Welt in Staunen versetzen. Die Erde wird seinen Händen überliefert werden. Aber dann auf der Höhe des Ruhmes wird er Frevel verüben, wie die Welt noch niemals gesehen hat. Dann kommt eine Feuerprobe über die Menschheit und viele, welche Ärgernis nehmen an der Unbill der Macht, werden zu Grunde gehen. Diejenigen aber, die ausharren in dem glauben an den Herrn, werden gerettet werden durch ihn selbst, den man verflucht hat, und durch seine Lehre, die man verdammt hat.
       Dann auch werden die Zeichen der Wahrheit erscheinen: der Himmel wird sich öffnen und der siegende Geist seinen Triumph feiern über die rohe Gewalt. Die Posaunen werden ertönen und die große Gottesgemeinde zusammenrufen zur Begründung des verheißenen Reiches. Und die Toten werden aus ihren Gräbern erstehen, aber nur die Getreuen, wie es der Prophet Zacharias 14, 5. verkündet hat. Der Herr wird kommen und mit ihm die Auserwählten und die Welt wird den Herrn sehen als Sieger thronend auf der Höhe der Wolken!

Quelle: Unbekannt, Seiten 118-128, von rado jadu 2001


Der heilige Kilian

8. Juli: katholischer Kilianstag (früher auch am 9. Juli gefeiert)

Der heilige Kilian, der als irischer Mönch nach Franken kam und jedes Jahr zu "Kiliani" in Würzburg eine Woche lang gefeiert wird.

Großlangheim gehört zu den sog. "Urpfarreien" und der Legende nach soll der Heilige Kilian hier gepredigt haben, weshalb die Weinlage auch den Namen "Kiliansberg" trägt.

Schon im 7. Jahrhundert, etwa eine Generation vor dem 723 n. Chr. in unserem Gebiet missionierenden Bonifatius, sei der heilige Kilian nach vergeblichen Versuchen, die heidnischen Bewohner in der Nähe des späteren Klosters Breitenau zum Christentum zu bekehren, flußaufwärts gezogen "und ging bei dem heutigen Büchenwerra ans Land."

Kilian- Eine Geschichte verpflichtet -

Der heilige Kilian, ein irischer Wanderbischof, missionierte etwa um 680 zur Merowingerzeit in Franken. Die Winzer haben ihn zu ihrem Schutzpatron auserkoren.

Der Heilige Kilian, angeblich in Mullagh/ Irland geboren und "Glaubensbote Ostfrankens", gehörte zu jenen Missionaren, die das Gebot der Nachfolge Christi in seiner radikalsten Form durch Heimatlosigkeit verwirklichen wollten. Mit zwölf Gleichgesinnten kam er im 7. Jahrhundert zur Mission nach Würzburg, um der Herzogsfamilie den christlichen Glauben zu verkünden. Die Angehörigen der Hedene waren zwar wahrscheinlich bereits getauft, lebten aber noch nach eher heidnischen Traditionen.

Eine Sage: Die Sage von der Teufelskirche


Als die Rhön noch heidnisch war, da fühlte sich der Teufel noch als Herr des Gebietes. Dann kam aber der heilige Kilian ins Land, predigte das Christentum und viele ließen sich taufen. Darüber ärgerte sich der Teufel schrecklich. Als damit begonnen wurde, im Tal eine Kirche zu bauen, geriet der Teufel so in Zorn, daß er alle Steine, die zum Kirchenbau herbeigebracht wurden, hinauf auf den Gangolfsberg schleppte und dort so fest zu einer Grotte zusammenfügte, daß sie kein Mensch mehr auseinanderbringen kann. Als die Leute das merkten, zeichneten sie auf jeden Baustein ein Kreuz. Da mußte der Teufel die Finger davon lassen. Die Steine aber, die er schon vorher hinaufgebracht hatte, bilden die Teufelskirche. ... erzählt von Max Mölter

Kreuzberg

Der Berliner Bezirk Kreuzberg soll nach dem Heiligen Kilian bzw. dem Kreuzberg in Würzburg benannt sein.

„Fest miteinander vereint“



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